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Im Brennpunkt

Di 26.10.2010 07:52

Minister hörte sich Sorgen an

Werrataler wünschen sich, dass mehr politischer Druck auf Kali und Salz ausgeübt wird

Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) war bei seinem gestrigen Besuch im Gerstunger Rathaus deutlich um Konsens bemüht. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wie der Kalikonzern zu einer umweltgerechten Produktion zu zwingen ist. Dennoch ist im Moment die Tatsache wichtiger, dass miteinander gesprochen wird.

GERSTUNGEN. Fast zwei Stunden hatte sich der Minister Zeit genommen.
Ergebnisse waren nicht zu erwarten. Allein die Bereitschaft zum Gespräch sowie das Versprechen, offene Fragen in den zuständigen Behörden zu diskutieren und dann Antworten zu geben, werteten die anwesenden Vertreter aus Gemeinden und Städten des Werratals als einen ersten Erfolg.

Denn lange Zeit hatten diese das Gefühl, dass einseitig zu Gunsten von Kali und Salz entschieden wird. ,,Die Politik hat uns im Stich gelassen", formulierte es Klaus Reinhardt von der Bürgerinitiative ,,Für ein lebenswertes Werratal", die sich vor vier Jahren im Zusammenhang mit dem Bau des Müllofens im hessischen Heringen gegründet hatte.

Die Versenkung der Abwässer aus der Kaliproduktion ist in Thüringen zwar untersagt worden, doch in Hessen wird sie weiter praktiziert. ,,Acht Kilometer von hier", fügte Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) hinzu. Er sah es als erwiesen an, dass diese Methode das Trinkwasser belastet.
Während Jürgen Reinholz nur von einer ,,möglichen Gefährdung" sprach.

Ulf Frank, Werkleiter des Eigenbetriebs, argumentierte, dass sich die Qualität etwas verbessert habe, nachdem auf Thüringer Seite nicht mehr verpresst werden dürfe. Trotzdem würden Brunnen hohe Salzgehalte aufweisen. Ob diese nun direkt von den Produktionsab wässern herrühren oder die Versenkung den natürlichen Salzwasserspiegel in die Schichten gedrückt habe, in denen Gerstungen sein Trinkwasser gewinnt, sei erst mal egal. ,,Salz bleibt Salz", so Alexander Reitinger, der Anwalt der Gemeinde. Er wünschte sich Aussagen, ob das Land be reit ist, mit K+S über Schadens ersatz und ein Konzept für den Notfall zu verhandeln. ,,Wir wollen die Bürger nicht aus Tanklastzügen versorgen müs sen." Die Beantwortung der Fragen blieb offen. Ebenso wie die zu Gefahren durch Ge birgsschläge oder giftigen Stof fen auf den Abraumhalden, die Johannes Woth, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Berka/Werra, stellte. Er ver wies außerdem darauf, dass man sich Aussagen zu den In haltsstoffen der Halden per Ge richt erzwingen musste.

Reinholz indes berichtete von schwierigen Verhandlungen mit Vertretern des Kalikon zerns: ,,Die Brüder reichen kei nen Genehmigungsantrag ein und wollen stattdessen von uns wissen, was sie tun sollen. So geht das nicht." Bis Ende 2012 müsse eine Lösung für das Werk in Unterbreizbach gefunl den werden, weil dann keine Lauge mehr in die Werra einge leitet werden darf. Für Walter Hölzel, Vorsitzender der An rainergemeinschaft von Werra und Weser, hat das Vorgehen von K+S Methode. Auch in der Vergangenheit habe man bis kurz vor dem Auslaufen der Fristen gewartet und dann mit der Schließung von Werken gedroht, so dass die Behörden die Genehmigungen doch erteilten. ,,Damit macht sich die Politik erpressbar", so Hölzel.

Er wünschte sich umgekehrt, dass die Politik Rahmenbedingungen setzt, an die sich der Konzern zu halten habe. Dabei sollten alle betroffenen Bundesländer Hand in Hand arbeiten. Vor allem Thüringen müsse zudem ein Interesse daran haben, dass K+S modernste technische Methoden anwendet, hat sich damit doch eine im Freistaat ansässige Firma weltweit einen Namen gemacht. Eine Alternative zur Versenkung im Untergrund und zur Einleitung in die Werra stellt laut Hölzel das Verfestigen und Verdampfen der Rückstände und die Lagerung unter Tage dar. Das sieht auch Reinholz so. Und er versprach, wieder zu kommen.

Von Birgit Schellbach
Quelle: TA 26.10.2010

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