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Im Brennpunkt

Do 08.10.2009 08:01

Fernleitung ist Favorit

Fernleitung ist Favorit Lösung im Laugenstreit weiter umstritten/Aufgebrachte Stimmung bei Anrainerkonferenz

Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz (WWA)und die Bürgerinitiative (BI) "Für ein lebenswertes Werratal" luden am Dienstag ins Werratalhotel in Dippach zu einer hochkarätigen Podiumsdiskussion ein. Gerungen wurde um eine Lösung, um die Einleitung von Salz in die Werra zu verhindern.

DIPPACH. Diese Problematik brennt sowohl den Bürgern und Kommunen in der Werraregion als auch den Kalikumpeln der Kali +Salz AG auf den Nägeln Entsprechend brechend voll war der große Saal und gespannt die Atmosphäre. Für wie immens wichtig dieses heikle und komplexe Thema gehalten wird, zeigte sich daran, wie hochkarätig nicht nur das Podium, sondern auch das Publikum besetzt war. Zum Beispiel erschienen viele Abgeordnete der Landtage in Hessen und Thüringen querbeet durch alle Parteien, auch Vertreter des K+S Betriebsrates und betroffene Bürger meldeten sich zu Wort

Die Argumente gingen hin und her, die Emotionen schlugen teilweise hoch. Mit recht provokanten Bemerkungen und Fragen würzte auch Moderator Andreas Rückewold (Antenne Thüringen) den fast dreistündigen Meinungsstreit.

"Wir finden definitiv eine Lösung", war von Professor Hans Brinckmann zu hören, der die Position des Runden Tisches erläuterte und kund tat, dass eine Salzabwasser-Pipeline in die Nordsee die einzig machbare Lösung scheine. Er wolle erreichen, dass sein 25-köpfiges Gremium am 10. November möglichst einstimmig die Empfehlung beschließt, den Bau dieser Pipeline voranzutreiben. Und das so schnell wie irgend möglich. Auch aus Kostengründen, denn 600 bis 800 Millionen Euro könnte die Pipeline kosten.

Das Konzept der Fernleitung soll bis spätestens 2020 umgesetzt sein, so das Ziel des Runden Tisches. Dann soll auch keine Lauge mehr abgeleitet oder in den Plattendolomit versenkt werden. Letzteres dürfe bereits seit 2007 nicht mehr geschehen.

"Die Lösung muss eine saubere Werra und Weser zur Folge haben", so Prof. Dietrich Borchardt vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, der den Runden Tisch wissenschaftlich begleitet. Borchardt stellte jedoch klar, dass auch nach 2020 diffuse Salzeinträge weiterhin die Werra belasten würden, doch über die Jahre hinweg in abnehmender Konzentration

Entsetzen in Teilen des Publikums rief Brinckmanns Aussage zu einem "Plan B" auf Anfrage hervor, wie man damit umgehe, wenn die Nordsee-Pipeline wegen möglicher Beeinträchtigungen (nicht nur) des Wattenmeeres nicht genehmigungsfähig sei. "Dann müssten die Abwässer weiterhin oberirdisch abgeleitet werden" wie bisher über Werra und Weser. Doch bekomme man dann Riesenärger mit dem Europäischen Gerichtshof, da gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie verstoßen werde. Wie der Gerichtshof dann entscheiden werde, das mag man sich heute überhaupt noch nicht ausmalen, so die Antwort.

"Die Runden Tische kommen und gehen, die Probleme bleiben bestehen", meinte dagegen Dr. Walter Hölzel, Stadtrat von Witzenhausen und Leiter der Werra-Weser-Anrainerkonferenz. Er favorisiert ebenso wie Dr. Ralf Krupp, Gutachter, Geologe und Geochemiker, eine andere Lösung als die Pipeline: Nämlich als Stand der Technik das Konzept der Überführung der Abwässer und Rückstände in einen festen Versatz-Zustand und des Wiedereinbaus in die Salzlagerstätten.
Durch neue chemische Verfahren könne eine weitaus höhere Ausbeute als bisher erzielt werden. Umstritten war aber dann die Kernfrage, was überhaupt der Stand der Technik sei und ob sich eine solche Lösung auch in der Werraregion mit ihrer speziellen Situation umsetzen lässt. Dieses Konzept des Sondershäuser Ingenierbüros K-UTEC, das das so genannte Florett-Konsortium in der Grube Roßleben anwenden wolle, sei äußerst zweifelhaft, meinte Dr. Rainer Gerling, Leiter des K+S-Werkes Werra.

"Wir wissen, dass die K-UTEC-Ingenieure sehr gute Leute sind, aber bislang ist dieses Konzept noch nirgendwo zur Anwendung gekommen. Also wissen wir nicht, ob es realisierbar ist." Mit der Umsetzung ihres 360Millionen-Euro-Maßnahmepaketes sei dagegen die K+S einen großen Schritt vorangekommen.

"Ergebnis wird sein: Wir reduzieren die Salzeinleitung um die Hälfte und senken die Grenzwerte um 30 Prozent", so Gerling. Also werde die Belastung der Flüsse auf jeden Fall geringer. Er setzt dabei auf die "Neue integrierte Salzabwassersteuerung" (NIS). Sein Kollege Dr. Ludger Waldmann, Leiter des K+S-Forschungsinstitutes, ergänzte: "Dabei setzen wir innovative Technik ein." Auch er versuchte dann den umstrittenen Stand der Technik aus Sicht des Kaliunternehmens zu erläutern. Doch die Argumente sowohl der einen als auch der anderen Seite überzeugten weder Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) als Vertreter der von den Umweltbelastungen betroffenen Kommunen noch den niedersächsischen Landtagsabgeordneten Ronald Schminke (SPD). Hartung: "Die Arbeitsplätze bei Kali+Salz sind uns sehr wichtig, aber wir wollen auch saubere Luft atmen, sauberes Wasser trinken und in einer sauberen Umwelt leben − darauf haben wir ein Recht." Erwehren musste er sich im Verlaufe des Abends immer wieder heftiger Angriffe der Kali-Kumpel, aber Hartung blieb − zumindest äußerlich − ruhig und hatte wohl auch die richtigen Argumente parat.

Ronald Schminke brachte das Thema des Abends in seinem Abschluss-Statement auf den Punkt: "Mit der beiderseitigen Polemik in der Diskussion muss endlich Schluss sein. Ich bin der Meinung, dass ein dritter Weg (Konzept der K-UTEC) geprüft werden muss. Grob fahrlässig ist es, dies nicht getan zu haben. Ich will Klarheit, deshalb also alle Experten an einen Tisch und solange geforscht, bis ein Kompromiss gefunden ist", so seine Forderung. Ronald Schminke machte klar, dass eine nachhaltige Lösung, die der Wasserrahmenrichtlinie, aber auch dem Erhalt der 8000 K+S Arbeitsplätze gerecht wird, schnell her müsse. Und Niedersachsen brauche zukünftig mehr Infos, so der Politiker

Klaus Fink


Quelle: TA vom 08.10.2009

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