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Im Brennpunkt

Do 08.10.2009 07:20

Das Misstrauen ist geblieben

Podiumsdiskussion zur Werraversalzung /Empfehlungsentwurf des "Runden Tisches" vorgestellt

Gerstungen (ep) 2020 soll endgültig Schluss sein mit Laugenversenkung unter und Laugeneinleitung in die Werra. So soll es zumindest kommen, wenn denn die voraussichtlichen Empfehlungen des "Runden Tisches zur Werraversalzung" Realität würden.

Professor Hans Brinckmann, Leiter des Runden Tisches, hatte den Entwurf der Empfehlung zur Podiumsdiskussion mit nach Dippach gebracht, wo der Saal randvoll mit rund 450 Menschen auf Neuigkeiten wartete. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal"

Die Menge des Abwassers aus der Kali-Produktion, das in die Werra eingeleitet wird, soll, so die Empfehlung, in vier bis fünf Jahren halbiert sein. Bis Ende 2010/Anfang 2011 soll K+S ein entscheidungsfähiges Konzept für den Bau eine Salzwasser-Pipeline an die Nordsee vorlegen. Diese Pipeline soll 2020 in Betrieb gehen. Der Prozess bis dahin soll stetiger öffentlicher Kontrolle unterliegen. So sehen die Empfehlungen des Entwurfes aus. Zudem soll das neue Entsorgungskonzept von K+S daraufhin untersucht werden, ob es ein nachhaltiger Lösungsansatz ist. Das nämlich glauben "die meisten Teilnehmer des Runden Tisches nicht", so Brinckmann.

Misstrauen

Neben diesen Empfehlungen gab es für die Zuhörer - viele K+S-Kritiker und viele K+S-Angestellte -nicht allzu viel Neues zu hören. Das gegenseitige Misstrauen ist gehörig, und dass jede Seite ihre Gutachter hat, die immer gerade das Gegenteil des anderen Gutachters sagen, macht die Sache nicht leichter. Die eine Seite spricht von "Gefälligkeits-Gutachten", die andere zweifelt die Qualität der Gegengutachter an.

Ob die Pipeline aber überhaupt kommt oder, wie es etwa in der Gemeinde Gerstungen vermutet wird, dieser Vorschlag nur dazu dient, dass K+S Zeit gewinnt und der Runde Tisch sein Gesicht wahrt, weiß auch keiner.

Während Brinckmann die Zeitschiene der Empfehlung für "realistisch" hält, will K+S, so Werra-Werksleiter Dr. Rainer Gerling, den Bau einer solchen Pipeline erst einmal auf "ökonomische Machbarkeit" prüfen, schließlich stehen da Kosten von deutlich über 500 Millionen Euro im Raum. Zudem müsse eine solche Leitung "politisch gewollt" sein.

Dr. Walter Hölzel, Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz, hält es für fraglich, ob die Leitung genehmigungsfähig ist, und der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke sagt massiven Protest und zeitintensiven Widerstand dagegen etwa von Muschelnfischern wenn das zusätzliche Salz dann in der Nordsee ihre Lebensgrundlage bedroht.

Ökologischer Eingriff

Brinckmann: "Das Ziel des Runden Tisches war es, einen Weg aufzuzeigen, wie das Problem mit einem geringeren ökologischen Eingriff als bisher zu lösen. Ganz ohne wird es aber nicht gehen, es wird immer Menschen geben, die die Folgen davon zu tragen haben." Nur eines, so Brinckmann, sei auch klar: Komme die Leitung nicht, dann werde die Lauge weiter über Werra und Weser abgeleitet. Schließlich hänge eine ganze Region von der Kaliproduktion ab, 8000 Arbeitsplätze seien davon direkt oder indirekt betroffen.

Die zweite große Streitfrage des Abends war, ob K+S bei der derzeitigen Produktion den neuesten "Stand der Technik" nutzt, gerade um Salzabwässer zu vermeiden. Natürlich tue man dies, so Dr. Ludger Waldmann, Chef des K+S-Forschungsinstitutes. Wenn Konkurrenten behaupteten, sie hätten andere, bessere Verfahren, müssten die erst nachweisen, ob diese auch tauglich seien. Das Salz in der Werraregion sei nun einmal nicht einfach und nur mit bestimmten Verfahren abzubauen.

Überdies, so Gerling, habe K+S ja bereits das 360-Millionen-Paket auf den Tisch gelegt, mit dem die Salzlast der Werra in den kommenden vier bis fünf Jahren halbiert werden soll. "Das ist ein Kraftakt für uns. Das Geld kommt von den Aktionären und den Mitarbeitern." Dass aber tatsächlich alle neue Technik und Verfahren in der Werra-Kaliproduktion angewandt werden, da haben die Kritiker ihre Zweifel - oder besser: Sie glauben, dass die K+S-Führungsmannschaft lügt. Und auch der Niedersachse Schminke fordert, dass "die Gutachter von beiden Seiten sich einmal zusammensetzen und solange eingesperrt werden, bis die eine Lösung gefunden haben".

Für die Gemeinde Gerstungen, daran ließ Bürgermeister Werner Hartung keinen Zweifel, sind die möglichen Empfehlungen des Runden Tisches "keine Lösung". Mehrere Trinkwasserbrunnen seien bereits wegen der Salzabwässer zerstört. Nun drohe durch die Laugenversenkung im hessischen Bodesruh ein weiterer Brunnen zerstört zu werden.

Daher auch der gemeindliche Antrag, die Versenkung dort sofort zu stoppen. K+S allerdings sieht keinen hydrogeologischen Zusammenhang zwischen dem Versenkgebiet und dem Trinkwassereinzugsgebiet.

Funktioniert nicht

Das neue K+S-Entsorgungskonzept sei doch "nur ein neuer Name für Versenkung", so Hartung. Und allen Beteuerungen zum Trotz habe die Versenkung eben seit 80 Jahren nicht funktioniert, die Salzabwässer seien zu 60 Prozent nicht mehr dort, wo sie in den Plattendolomit versenkt wurden, sondern im Buntsandstein oder schon in der Werra. "Es funktioniert einfach nicht."

Peter Rossbach



Quelle: TLZ vom 08.10.2009

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