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Mo 31.08.2009 10:56

Zoff am "Kalimandscharo"

Bürgerinitiative wird bei Lichtkunst-Protestaktion von Gemeinde Heringen in Schranken gewiesen

Alphornblasen von der Kali-Halde im Werratal bei Heringen - am Samstag war Premiere.
Für Sabine Fischer von der Bürgerinitiative (BI) "Für ein lebenswertes Werratal" ist das der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

Mit solchen Veranstaltungen werde die Gefahr, die von dieser gigantischen Müllhalde ausgehe konterkariert, aus der Halde mit ihren schädlichen Auswüchsen für Mensch und Natur ein touristisches Ausflugsziel gemacht.

Heile Welt auf 270 Meter Höhe mit schönem Ausblick. Dabei schwemmt jeder Regen Giftstoffe talwärts, drückt das verpresste salzhaltige Wasser aus der schon an vielen Stellen aus der Erdoberfläche.
Allerdings denken die wenigsten der Heringer so wie sie. Das weiß auch BI-Vorsitzender Klaus Reinhardt aus Dankmarshausen. Er und seine Mitstreiter werden trotz einiger juristischer Niederlagen der jüngsten Vergangenheit nicht müde, sich gegen die Umweltzerstörung durch den Kalibergbau und das Müllkraftwerk in Heringen stark zu machen
Mit einer Lichtkunst-Aktion wollte die BI am Samstag auf die Umweltzerstörung durch den Kali+Salz-Kozern und dessen Halden aufmerksam machen -parallel zum von der Gemeinde Heringen und K+S initiierten Alphornblasen auf dem "Kalimandscharo".

An eine Flanke der Halde sollte aus gut 500 Metern eine Karikatur projiziert werden, die weithin sichtbar ist. Sie stammt vom namhaften Karikaturisten Götz Wiedenroth und zeigt den K+S- Kali-Produktion Chef Norbert Steiner als König auf dem Monte Kali. Aus der Hosentasche schauen Geldbündel, unter im japsen Fischgräten.

Straßensperre und Polizeieinsatz

Die am Freitag geprobte Aktion mit dem Lichtkünstler Oliver Bienkowski aus Kassel endete beim Ernstfall am Samstag mit einer Straßensperre der Gemeinde Heringen und einem von der Gemeinde herbei geführten Polizeieinsatz.

Ein GemeindeLastwagen hatte der BI-Gruppe und den Lichtkünstlern den Weg auf den Hügel in Widdershausen versperrt. Kurzerhand schleppte sie die schweren Gerätschaften kurz nach 20.30 Uhr per Hand an Ort und Stelle und warfen die Karikatur weithin sichtbar an den Berg. Vom Ersten Beigeordneten der Gemeinde Heringen wurden die Demonstranten zur Rede gestellt, berichtet Klaus Reinhardt.
Das die Aktion begleitende Fernseh-Team des Hessischen Rundfunks freute sich über solche turbulenten Bilder (gestern in der Hessenrundschau zu sehen).
"Um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern haben wir dann die Zelte abgebrochen", berichtet BI-Vorsitzender Reinhardt. Ein Erfolg sei die Sache allemal gewesen, denn die Gemeinde Heringen und Bürgermeister Ries hätten mit ihrer Reaktion die Protest-Aktion nur noch aufgewertet.
Die Bürgerinitiative erfahre die meiste Unterstützung derzeit aus dem Werratal in Thüringen, sagen die Protagonisten. Im Raum Heringen sind die Menschen mit Blick auf ihre Arbeitsplätze und Einkommen bei K+S nicht mehr kritisch, geschweige denn aktiv, sondern akzeptieren den Kali-Bergbau mit all seinen widrigen Umständen, sagt Hans-Jürgen Fischer, einer der letzten BI-Mohikaner aus Heringen.

Die Technologie ist das Problem

Für die BI ist der Kalibergbau selbst nicht das Problem, sondern die Technologie. "An anderen Stellen wird bewiesen, dass es anders geht", sagt Fischer. Der Bau der Pipeline an die Nordsee, für viele der Heilsbringer, werde nicht so einfach. Die Widerstände aus dem Norden sind offenkundig.

Nicht nur Reinhardt und Fischer prophezeien schlimme Folgen, wenn der Kali-Bergbau weiter technologisch so betrieben wird wie bisher, einen Bergschlag zum Beispiel. "Und den wird man bis nach Eisenach spüren", macht Fischer die mögliche Dimension deutlich. Und noch was: Wann K+S den Kalibergbau in der Werra-Region einstellt ist ungewiss. "Die können in zehn Jahren über alle Berge sein, aber dieser Berg steht dann noch", sagt Sabine Fischer.

In Dippach und Dankmarshausen werden die Salzwiesen derweil immer größer. Der "Spiegel" behandelt dieses Problem samt Monte Kali in seiner jüngsten Ausgabe.
Auszug: "Die Halde sei die größte künstliche Erhebung Europas’ schwärmt Bürgermeister Hans Ries. Ein ehemaliger Grüner. (..) Selbst wenn der Kalibergbau irgendwann einmal beendet sein werden sollte, wird es 500 bis tausend Jahre dauern, bis der Regen den Salzberg aufgelöst hat." Den Berg abzutragen und wieder unter Tage zu bringen ist möglich, aber laut K+S zu teuer, "Wir verdienen unser Geld damit, dass wir etwas aus dem Berg raus holen, und nicht, dass wir etwas hinein bringen", wird K+S-Sprecher Morgenthal vom "Spiegel" zitiert
Morgen werden in Bad Sooden-Allendorf die vom "Runden Tisch Gewässerschutz" in Auftrag gegebenen Gutachten zu den ökonomischen Auswirkungen der Kaliproduktion und der Abwasserentsorgung der Öffentlichkeit präsentiert



Quelle: TLZ vom 31.08.2009

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