Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Di 21.04.2009 06:53

Eine der stärksten Umweltorganisation erklärt sich zum Verbündeten im Streit mit K+S

Mit 405 000 Mitgliedern ist der Bund für Umwelt und Naturschutz eine der einflussreichsten Organisation im Umweltschutz. Gestern besuchte BUND-Deutschlandchef Hubert Weiger Gerstungen. Es ging um Kalilauge und wilde Katzen.

WARTBURGKREIS. Im Rathaus trafen sich am Montag Bürgermeister Werner Hartung (pl) und eine Abordnung des BUND, die hochrangiger nicht hätte sein können, angeführt durch Prof. Dr. Hubert Weiger. Der Bundesvorsitzende erklärte, es handele sich nicht um einen neutralen Informationsbesuch. Der BUND werte den Widerstand Gerstungens gegen die Schädigung der Werra und der Trinkwasservorräte in der Gerstunger Mulde als ein "hervorragendes Beispiel konsequenten Handelns". Bergbaukonzern Kali+Salz dürfe sich nicht länger herausreden. "Das Unternehmen und seine Laugeentsorgung sind das zentrale Problem", nicht etwa andere, stellte Weiger klar. Der BUND erwarte, dass K+S Ende Mai brauchbare Vorschläge unterbreite, wie die Belastung durch Kaliabwässer zu mindern sei.

Nach Einschätzung der Umweltorganisation ist der gesetzliche Grenzwert zur Belastung der Werra (2500 Milligramm pro Liter) aus den 1940er Jahren überholt. "Der Wert stammt noch aus der Kriegswirtschaft." Dass er zu DDR-Zeiten um ein Vielfaches überschritten wurde und jetzt von K+S beachtet werden muss, genüge nicht. Über einen Zwischenschritt von 400 Milligramm etwa bis zum Jahr 2013 müsse das Ziel lauten, im Jahr 2015/16 200 Milligramm zu erreichen, um die Vorschriften der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen.

Eine Wiederaufnahme von Kalibergbau durch K+S in Roßleben in Nordthüringen (TA berichtete) unter vergleichbarer Entsorgung (Halden, Laugeeinleitung in die Unstrut) nannte Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel nicht hinnehmbar. Allerdings gibt es das internationale Konkurrenz-Unternehmen "Florett", das im nordthüringischen Revier ebenfalls abbauen und die Abfälle in Hohlräumen untertage lagern will.

Die Wildkatze war das zweite große Thema gestern. Im November 2007 hatten der BUND und der Freistaat Thüringen bei Ettenhausen an der Nesse den ersten Kilometer Wildkatzenkorridor gepflanzt. Mit den Jahren soll der 50 Meter breite Streifen aus Bäumen und Büschen die Wanderung des seltenen Tieres vom Nationalpark Hainich in den Thüringer Wald erleichtern. Mit Zwischenstation Hörselberg. Bei Gerstungen - unweit vom Schwimmbad - wurden gestern die Gehölze für einen zweiten Korridor gepflanzt. "Wir schließen an günstiger Stelle eine Lücke", erklärte Wildkatzen-Projektleiter Thomas Mölich. In der Nähe gebe es einen Durchlass, den Wildtiere schon jetzt nutzten, um die Autobahn zu unterqueren. "Wir wollen erreichen, dass Waldgebiete in Nordhessen mit solchen in Thüringen verknüpft werden", so Burkhard Vogel vom Landesverband. Insgesamt möchte der BUND 20 000 Kilometer vernetzte Lebensräume schaffen. "Die Wildkatze ist nur das Symbol. Die Korridore nützen Hasen ebenso wie Laufkäfern. Und diese Käfer sind für den Naturhaushalt womöglich bedeutsamer als die Wildkatze", sagte BUND-Chef Weiger.

Ein drittes Thema: Über das Konjunkturpaket will die Bundesregierung schätzungsweise 160 Millionen Euro für Bauwerke zur Wildwanderung über Straßen und Autobahnen bereitstellen. Nach eigenen Angaben hat der BUND dem Thüringer Verkehrsministerium vorige Woche dafür sieben Vorschläge für Thüringen unterbreitet. Drei befinden sich im Wartburgkreis, meistenteils soll es sich um Brücken über viel befahrene Straßen handeln. Der BUND schlägt erstens vor: an der Bundesstraße 84 am Kindel. Dort seien mehrfach Wildkatzen von Autos getötet worden. Weiterhin hält der BUND solche Wanderungshilfen über die B 7 bei Sättelstädt und an einer Autobahnunterführung bei Gerstungen für sinnvoll. Die vier anderen schlägt er für die Bundesstraße 247 bei Horsmar und Kallmeroda in Nordthüringen vor, an der B 85 bei Oldisleben und an der Autobahn 9 bei Heinrichsruh in Ostthüringen. Es sei "sensationell", dass die Bundesregierung erstmals Geld nicht ausschließlich für Straßen ausgeben wolle, sondern auch, um die Folgen einzudämmen, die durch Zerschneidung von Lebensräumen entstünden.

Von Sven-Uwe VÖLKER

20.04.2009

Quelle: TA vom 21.04.2009

Druckversion