Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Mo 19.01.2009 07:51

Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V. fordert die K+S AG auf, das Gutachten zur Gewässerqualität der Werra zurückzuziehen.

WWA
Pressemitteilung

Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V.

Datum: 18.01.2009
Veröffentlichung: sofort

Werraversalzung

Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V. fordert die K+S AG auf, das Gutachten
zur Gewässerqualität der Werra zurückzuziehen.


Das von der K+S AG beauftragte und vom Büro Ecoring durchgeführte Gutachten zur Gewässerqualität
der Werra wird seit Monaten in Fachkreisen kritisiert und als unwissenschaftlich
und tendenziös bezeichnet. Im Gutachten getroffene Aussagen werden von unabhängigen
Untersuchungen nicht bestätigt. Die anstehenden Genehmigungsverfahren
machen ein vom Verursacher K+S unabhängiges Gewässermonitoring erforderlich.


Schon am 22. November 2007 hatte einer der Gutachter, Dr. Bäthe vom Büro Ecoring, im Hessischen Rundfunk Ergebnisse des Gutachtens vorgestellt. Nach seiner Aussage ist die Werra auch ohne die Salzbelastung durch die Kali-Industrie in einem schlechten Zustand; sie könne auf keinen Fall einen mäßigen oder guten Zustand erreichen. Ursache sei die Belastung der Werra durch unzureichend geklärte kommunale Abwässer aus Thüringen und durch die Landwirtschaft. Damit zielt Dr. Bäthe offenbar auf den §4 der EG-Wasserrahmenrichtlinie, welcher der K+S AG unter diesen Umständen ein Beibehalten ihrer gewässerschädigenden Entsorgungspraxis ermöglichen könnte.

Seitdem wird das Gutachten in Fachkreisen und auf Tagungen diskutiert und kritisiert, zuletzt auf der Anrainerkonferenz in Bremen.

Eine im Jahre 2008 durchgeführte Überprüfung der damals bekannten Aussagen des Gutachtens durch Prof. Dr. Braukmann vom Fachbereich Gewässerökologie/Gewässerentwicklung der Universität Kassel, hat ein anderes Bild ergeben, als das Gutachten darstellen möchte. Ab der Einleitung der Salzlaugen durch K+S im Raum Heringen bis Gerstungen ändert sich die Werrafauna drastisch. Unterhalb des hessischen Kalireviers ist die Werra der gegenwärtig am stärksten belastete Fluss Deutschlands.

"Hauptursache ist eindeutig die Salzbelastung durch die Kali-Industrie. (…) Die Äußerungen von Dr. Bäthe zur Belastungssituation der Werra sind wissenschaftlich nicht haltbar. Sie zielen vielmehr darauf ab, die Bedeutung der Salzbelastung zu verschleiern und zu relativieren", so Prof. Dr. Braukmann auf der Anrainerkonferenz in Bremen am 17.11.2008.

Auch das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie HLUG ist anderer Ansicht als die K+SGutachter vom Büro Ecoring. In einer "Prognose zum ökologischen Zustand der Werra" vom März 2007 wird folgendes Fazit gezogen: "Hinsichtlich der biologischen Wassergüte (organische Belastung) wirkt sich der noch unzureichende Anschlussgrad an Kläranlagen in Thüringen nicht erheblich bis in den hessischen Werraabschnitt aus." Diese Aussage bezieht sich auf Untersuchungen, die im Jahre 2006 abgeschlossen waren. Seitdem hat sich der Anschlussgrad an Kläranlagen in Thüringen bereits verbessert.

Bezeichnenderweise veröffentlichen die K+S-Gutachter keine Daten über die Probeent-nahmestellen, an denen man die hohe Belastung durch kommunale und landwirtschaftliche Abwässer festgestellt haben will. Limnologische Untersuchungen hängen aber entscheidend von der Wahl der Probeentnahmestelle ab. Ein Gutachten, das diese Daten unterdrückt, hat keinen wissenschaftlichen Aussagewert. Wir fordern K+S daher auf, auch diese Daten zu veröffentlichen oder aber das Gutachten zurückzuziehen. Es entsteht sonst der Eindruck, die K+S AG habe ein Gefälligkeitsgutachten vorgelegt.

Statt die erforderlichen genauen Angaben zu machen, betont K+S lieber, dass sich der Zustand der Werra seit der Übernahme des Kalireviers durch die K+S AG deutlich verbessert habe. Dieses Ergebnis sollte man auch erwarten, denn die K+S AG hat öffentliche Gelder in dreistelliger Millionenhöhe erhalten, um den zu DDR-Zeiten herrschenden Zustand der Werra zu verbessern. Leider wird übergangen, dass sich der Zustand der Werra seit 1999 wieder verschlechtert hat, weil seitdem der Grenzwert für die Wasserhärte zweimal erhöht wurde und sich von 50odH auf 90o dH fast verdoppelt hat. Allein solche Verzerrungen mindern den Aussagewert des Gutachtens erheblich.

Wir fordern die K+S AG auf, der Öffentlichkeit nicht hat länger Sand in die Augen zu streuen und stattdessen bei ihren Abbau- und Aufbereitungsverfahren den Stand der Technik anzuwenden. "Wenn die K+S AG den Stand der Technik anwendet, wie er etwa im Betriebsplan des Florett-Konsortiums für die Grube Roßleben beschrieben ist, dann könnte sie schon vor dem Jahre 2015 auf die Einleitung von Salzlauge in die Werra ganz verzichten. Das so genannte "Maßnahmenpaket" ist noch nicht einmal technisch plausibel und vor dem Hintergrund der EG-Wasserrahmenrichtlinie auch nicht genehmigungsfähig", so Dr. Walter Hölzel, Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V.

Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz schließt sich der Forderung von Prof. Dr. Braukmann an, ein vom Interesse des Verursachers K+S unabhängiges ökologisches Gewässermonitoring für Werra und Weser zu initiieren. Das von der K+S AG vorgelegte Gutachten des Büros Ecoring kann wegen erheblicher Mängel nicht für die anstehenden Genehmigungsverfahren herangezogen werden.



Dr. Walter Hölzel
Vorsitzender "Werra-Weser-Anrainerkonferenz"
Erster Stadtrat Witzenhausen
0 55 45-95 01 08
walter.hoelzel@web.de


Download

Druckversion