Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Di 13.01.2009 07:26

Werra-Langzeitstudie: "Einseitig" und "schöngeredet"

B 90/Die Grünen kritisieren Interpretation eines Gutachtens durch K+S und halten am Ausstieg aus der Versalzung bis 2020 fest

Geschundener Fluss: Die Werra bei Gerstungen trägt Eis. (nh) Eisenach. (ep) Im Jahr 20 nach Mauerfall und friedlicher Revolution beschert das Blättern in Zeitungsseiten jener Monate durchaus Überraschendes - oder auch nicht, kommt auf die Sichtweise an. An Aktualität hat seitdem beispielsweise nicht eingebüßt, was in einer Schlagzeile der ersten Ausgabe der "Eisenacher Tagespost" (später in der TLZ aufgegangen) nach der Wende vom 9. Februar 1990 steht: "Versalzung von Werra und Weser soll gestoppt werden", heißt es auf da der Titelseite.

Im Text ist die Rede von mehr als 200 Millionen DM, "erforderlichenfalls mehr", wird Umweltminister Klaus Töpfer zitiert, Geld, das für die Entsalzung der Flüsse verwendet verwendet werden soll mittels "umweltschonender Techniken" statt "abwasserreicher Verfahren". Die andere Seite der Medaille sind Entlassungen. "Frei werdende Kollegen", heißt es, sollen in der Bergbausicherheit eine neue Aufgabe finden, die vielen Millionen DM auch "zur Ansiedlung neuer Industrien in der strukturschwachen Region" dienen.

Weg der Besserung

20 Jahre nach dieser Schlagzeile stellte Kaliproduzent K + S, der von der Übernahme der ostdeutschen Kalistandorte profitierte, in der Auswertung einer Langzeit-Gewässerstudie fest, dass "Werra und Weser auf dem Weg der Besserung" seien (TLZ berichtete in der Samstagsausgabe). Damit könnte die lange Geschichte darüber, warum in der Werra statt Lachsen schottische Salzwasserkrebse leben, ein gutes Ende finden. Doch dass sich der Gewässerzustand deutlich gebessert hat, diese Sicht können Umweltverbände und die Partei der Grünen in Thüringen nicht teilen.

Dagegen argumentiert wird vor allem damit, dass K + S die Langzeitstudie selbst in Auftrag gab. "B 90/Die Grünen halten die Ausrichtung des Gutachtens sowie seine Auslegung durch K + S für höchst einseitig", heißt es in einer Mitteilung. Die Interpretation greife zu kurz, wertete Grünen-Landessprecher Frank Augsten: "Die Bedeutung der zusätzlichen Belastungen der Werra wird überbewertet, damit K + S seine Verantwortung für den schlechten Gewässerzustand verschleiern kann". Dass die Schwermetallbelastung gerade auch durch die Kali-Produktion entstehe, dürfe nicht vergessen werden. Hier müsse mit offenen Karten gespielt werden.

Proleme außen vor

Der Eisenacher Bündnisgrüne Richard Janus spricht von Schönrednerei: "Natürlich kann man sich die Studie schön reden, wenn man nicht die weiteren Probleme an der Werra einbezieht. Gerade die Aufhaldung der Produktionsrückstände, der Schwerlastverkehr durch den Laugentransport aus Neuhaus-Ellers an der Werra, die Grundwasserprobleme infolge der Laugenverpressung dürfen nicht außen vor bleiben", fordert der heimische Werrabeauftragte seiner Partei. Für ihn ist die Interpretation der Studie durch K + S auch ein Beleg dafür, "wie leichtfertig mit der Gesundheit von Mensch und Tier umgegangen wird".

B 90/Die Grünen kündigten an, am Ausstieg aus der Werra- und Weserverschmutzung festhalten zu wollen. 2020 müsse endlich die Werraversalzung ein Ende finden.

Welche Schlussfolgerungen das Langzeit-Gutachten zulässt, dürfte heute auch Gegenstand am Runden Tisch Gewässerschutz Werra und Weser sein. Die erste Sitzung des Gremiums im neuen Jahr findet an einem recht glamourösen Tagungsort statt - dem Grand Hotel La Strada.

Ob es Grund zum Feiern gibt?

12.01.2009 Von Rita Specht

Quelle: TLZ vom 13.01.2008

Druckversion