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Do 08.01.2009 09:20

Trinkwasserstreit geht 2009 weiter Gemeinde Gerstungen widerspricht Bergamt

Am 19.12.2008 fand nach massiven Forderungen der Gemeinde Gerstungen eine Temperatur- und Leitfähigkeitsmessung zur Feststellung der Mineralisationsverhältnisse in der Monitoringbohrung Hy Gerstungen 1/2008 statt.

Diese im Sommer 2008 von der K+S Kali GmbH abgeteufte hydrogeologische Bohrung sollte eigentlich der Feststellung dienen, ob Salzabwasser aus dem so genannten Plattendolomit in die Gesteinsschichten übergetreten ist, aus denen die Gemeinde Gerstungen ihr Trinkwasser bezieht.

Dass der Buntsandstein-Grundwasserleiter durch versenkte Kaliabwässer verunreinigt ist, haben die am 30. Oktober 2008 amtlich genommenen Wasserproben eindeutig bewiesen. Die neuerlichen Messergebnisse belegen nun ebenfalls, dass nicht nur in einer Tiefe von 480 m ein Salzabwassereinfluss zu verzeichnen ist, sondern Produktionsabwässer auch bei mindestens 180 m und somit im Einzugsgebiet der Trinkwasserbrunnen vorhanden sind.

Problematisch ist, dass sich die Bohrung selbst als weitere Gefahr für das Grundwasser darstellt.


Der Grund hierfür liegt darin, dass das 30 cm weite Bohrloch wie eine große Rohrleitung den Aufstieg von hoch konzentrierten Salzabwässern aus tiefen Gesteinsschichten ermöglicht. Diese hoch salzhaltigen Mischwässer breiten sich von der Bohrung aus seitlich in durchlässige Gesteinsschichten aus und verdrängen das dort vorhandene Süßwasser.

Dass durch das Bohrloch hindurch tatsächlich aufwärtsgerichtete Grundwasser-Strömungen mit dem Transport von hoch salzhaltigen Mischwässern stattfinden, wurde durch Strömungsmessungen vom September 2008, eindeutig nachgewiesen.

Diese Tatsachen sind auch dem Bergamt bekannt, blieben aber offenbar unberücksichtigt. Das Bergamt zieht hingegen aus den gleich gebliebenen Salzwasserverhältnissen in der Bohrung unter Annahme statischer Verhältnisse den Schluss, dass eine Gefährdung höherer Grundwasserstockwerke nicht vorläge.

Diese Annahme statischer Verhältnisse ist jedoch falsch, es liegt vielmehr ein stationäres hydraulisches Gleichgewicht vor.

Der für die Gemeinde Gerstungen tätige Geologe Dr. Ralf Krupp verdeutlicht den Unterschied an folgendem Beispiel:

"Eine gefüllte Badewanne ist in einem statischen Gleichgewicht - aber wenn eine Badewanne am überlaufen ist, ändert sich der Wasserspiegel auch nicht. Man würde daraus aber niemals den Schluss ziehen, dass kein Wasser fließt, obwohl sich die Wasseruhr dreht und man schon nasse Füße hat. Um weiteren Schaden abzuwenden würde man vernünftigerweise sofort den Hahn abdrehen."

Den "Hahn abdrehen", das heißt, die Bohrung Hy Gerstungen 1/2008 sollte umgehend nach schnellstmöglicher, umfassender Beprobung wieder geschlossen werden, damit die Überströmungen von mit Salzabwasser verunreinigtem Tiefenwasser in höhere Stockwerke und damit eine weiter Versalzung des Grundwassers aufhört.
Damit ist jede weitere Versenkung von Kaliabwässern in der Gerstunger Mulde aus sachlichen und rechtlichen Gründen nicht mehr genehmigungsfähig und es sind unverzüglich Sanierungsmaßnahmen zu veranlassen.

Das Bergamt sollte in diesem Zusammenhang sich der unverzüglichen und umfassenden Untersuchung nicht länger verweigern.

Richtig zu stellen ist aber noch die Behauptung in der Presseerklärung des Thüringer Landesbergamtes vom 06.01.2009, dass "der Gemeinde Gerstungen die bisherigen Messergebnisse aus der Bohrung Hy Gerstungen 1/2008 übergeben" wurden. Tatsächlich hat die Gemeinde Gerstungen trotz vielfacher Anfragen bis heute immer nur Teilinformationen erhalten, obwohl bei K+S weit umfangreichere Unterlagen vorhanden sind. Diese Informationen sollten endlich übergeben werden.

Werner Hartung
Bürgermeister

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