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Im Brennpunkt

Do 13.11.2008 06:00

Versenkung nun durch Hintertür?

Gerstungen/Kassel. (ep) Hat der gescheiterte Anlauf von Andrea Ypsilanti hessische Ministerpräsidentin zu werden direkte Auswirkungen auf die Umweltpolitik in Hessen? So zumindest könne man die neuen Aussagen von Umwelt Staatssekretär Stefan Baldus und Thüringer Bergamt in Sachen Salzabwasser-Versenkung durch K+S werten, findet Tilo Kummer, Umweltpolitiker der Linken im Landtag. "Eigentlich müsste doch klar sein, dass sich das Thema Versenkung in der Gerstunger Mulde durch den Nachweis von Salzabwässern im tiefen Buntsandstein erledigt hat. Doch jetzt wird in Hessen und Thüringen erneut versucht, ein Hintertürchen für weitere Versenkung zu öffnen".

In über 400 Meter Tiefe war bei der K+ S-Bohrung bei Gerstungen das Vorhandensein von Salzlösungen aus der Kaliproduktion nachgewiesen worden, sprich: das darunter liegende Plattendolomit entlässt eben doch das dort versenkte Abwasser nach oben. Die Werte der Messungen in den höher liegenden und damit Trinkwasser führenden Schichten wollen aber Bergamt und K+S nicht gelten lassen. Sie seien nicht repräsentativ, weil die Bohrung nicht ordentlich gemacht wurde. Auch dort war Salzlauge gefunden worden. "Wenn K+S einen neuen Antrag auf weitere Versenkung mit auch nur dem Hauch einer Aussicht auf Erfolg stellen will, dann muss eine neue Bohrung her", so das Thüringer Umweltministerium, um eben repräsentative Ergebnisse aus diesen Schichten zu bekommen.

Für K+S zeigen die Werte aus den tiefen Schichten des Buntsandsteins einen "lokal begrenzten Einfluss von Salzlösungen". Die Trinkwasserhorizonte seien nicht betroffen. Deshalb sei es erforderlich, mit "einer weiteren Bohrungen Eigenschaften und Zusammensetzung der höheren Grundwasserschichten zu untersuchen". Desweiteren verweist Unternehmenssprecher Ulrich Göbel auf das von K+S vorgelegte Maßnahmenpaket zum Gewässerschutz. Damit will K+S erreichen, dass im Werk Unterbreizbach ab 2015 so produziert wird, dass eine Versenkung nicht mehr nötig ist. "Ein kurzfristiges Entsorgungsproblem haben wir nicht, mittelfristig sind Schwierigkeiten möglich". Schließlich sind die Entsorgungsmöglichkeiten am Standort Springen auch bald erschöpft. Man wolle nun in Gespräche mit den Thüringer Behörden einsteigen.

Stinksauer

In Gerstungen dagegen ist man stinksauer. Bürgermeister Werner Hartung ist mit der halben Verwaltungsbelegschaft zur gestrigen Sitzung des Runden Tisches nach Kassel gereist, um dem Unmut der Gerstunger Luft zu machen. Anders als K+S und Bergamt sieht man dort schon allein durch den Nachweis der Salzlösung in den tiefen Schichten das eigene Trinkwasser gefährdet. Die Gemeinde fühlt sich nun durch die Thüringer Behörden, trotz vollmundiger Bekundungen, wieder allein gelassen.

Und Tilo Kummer fügt an, dass die Trinkwasserrichtlinie eigentlich für solche Fälle eine Sanierung der betroffenen Bereiche vorsehe, davon könne man bei einer weiteren Versenkung ja wohl nicht sprechen. "Hier wird die Gefährdung des Trinkwassers in Kauf genommen, nur um K+S eine billige Entsorgung zu ermöglichen".

12.11.2008 Von Peter Rossbach

Quelle: TLZ vom 13.11.2008

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