Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Di 04.11.2008 06:00

Versenkgenehmigung "nicht begründbar"

<b>Deckel auf:</b> Vergangen Donnerstag enthahm das Thüringer Bergamt aus einem Gerstunger Bohrloch ein Quantum Wasser und unterzog es einer Analyse. (Foto: Peter Rossbach)Gerstungen. (ep) Nachdem die Ergebnisse einer Wasserprobe aus 480 Meter Tiefe des Plattendolomits in der Gerstunger Mulde vorliegen, ist es jetzt amtlich: Das natürlich versalzene Grundwasser dort ist "zusätzlich durch Salzabwasser" beeinflusst. Diese Nachricht kam aus dem Thüringer Umweltministerium von Staatssekretär Stefan Baldus, der sie so kommentierte: "Unter diesen Umständen ist die Erteilung einer weiteren Versenkgenehmigung für die Salzabwasserspeicherung in der Gerstunger Mulde nach meiner Auffassung nicht begründbar."

Ein Antrag auf dauerhaftes Versenken war ausgesetzt worden, weil Gerstungen sein Trinkwasservorkommen von Salzabwasser aus der Kaliproduktion bedroht sieht.

Die Nachricht vom Staatssekretär bedeutet im Klartext: Wenn der Kasseler Düngemittelkonzern K+S seinen Antrag nicht zurückzieht, auch künftig Abwasser aus der Kaliproduktion seines Werkes Unte7urbreitzbach in die Gerstunger Mulde versenken zu wollen, müsste das Thüringer Umweltministerium ihn nun ablehnen.

"Treffer", freut sich Gerstungens Bürgermeister. "Das ist das erste Mal, dass Steffan Baldus etwas zugibt." Für Werner Hartung ist das aber vor allem die Bestätigung harter, jahrelanger Arbeit, der Beweis dafür, "dass wir eben doch keine Spinner sind". Die von Amts wegen als "repräsentativ" anerkannte Grundwasserprobe war unter Fachaufsicht entnommen worden (TLZ berichtete).

Bei K+S sind die Äußerungen des Staatssekretärs "unter Vorbehalt" registriert worden. Man wolle die endgültigen Ergebnisse abwarten. Es gehe darum, "was die Fachbehörde in der Interpretation der Werte" für ein Urteil abgibt, sagte ein Konzernsprecher der TLZ. Endgültige Ergebnisse würden "im Laufe dieser Woche" erwartet.

Im Thüringer Bergamt, der Fachbehörde, bleibt man ebenfalls in Deckung: Die Analyse-Ergebnisse lägen bislang "nur teilweise vor", sagte Referatsleiter Thomas O. Brand. Zwar stünde demnach fest, dass "Kaliabwasser an einer Stelle im natürlichen Salzwasser angekommen ist", doch welche Konsequenzen daraus entstünden, das sie noch nicht klar. "Da werden einige Leute sehr intensiv darüber nachdenken, wie man damit umgeht", so Thomas Brand. Immerhin sei K+S bislang davon ausgegangen, dass keine Kaliabwässer im Grundwasser angekommen sind. Nun allerdings müsse man sich einen Kopf machen, was das neue Ergebnis für die Zukunft der Kaliabwasserproduktion bedeutet. Welches Urteil die Fachbehörde schlussendlich abgibt, wollte der Referatsleiter der TLZ nocht sagen: "Wir sind noch nicht soweit."

In Gerstungen denkt man schon weiter, Nachdem "jegliche Grundlage für eine weitere Versenkung weg ist", so Werner Hartung, "konzentrieren wir uns jetzt auf Schadensersatzforderungen". Außerdem will die Gemeinde nun wissen, ob es auch Versenkeinflüsse aus dem hessischen Kleinensee gibt, wo Kaliabwässer noch bis zum Jahr 2001 versenkt werden dürfen, bevor ein neuer Antrag gestellt werden muss. Von hessischer Seite ist bereits signalisiert worden, dass eine weitere Versenkung eher unwahrscheinlich ist.

Peter Rossbach 03.11.2008

Quelle: TLZ vom 04.11.2008

Druckversion