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Im Brennpunkt

Sa 01.11.2008 06:00

Streit noch vor erster Probe

Salzabwässer: Noch am Bohrloch waren Gemeinde Gerstungen, K+S und Behörden entzweit.

nach langem Hin und Her konnten die Mitarbeiter der Spezialfirma die ersten Wasserproben aus dem Bohrloch holenGerstungen. (ep) Die Mitarbeiter der Spezialfirma mussten bei Kälte und leichtem Schneefall warten, während die scheiben des herangekarrten Bauwa- gens von innen beschlugen. Darin diskutierten sich am Donnerstag Vertreter zweier Landesbehörden, des Düngemittelherstelleers K+S sowie Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung mit Mitarbeitern die Köpfe heiß. Wer geglaubt hatte, die "Amtliche Probenahme aus der Monitoringbohrung in Gerstungen" könnte ein von allen Seiten akzeptiertes Ergebnis bringen, sah sich entäuscht. Und dies schon bevor überhaupt der erste Tropfen Wasser zur Analyse aus dem Bohrloch geholt worden war.

Es geht um die Frage, ob Teile der tief in der Erde im Plattendolomit versenkten Salzabwäser von K+S bereits in die darüber liegenden Schichten des Buntsandsteins, in dem auch das Trinkwasser fleßt, aufgestiegen sind. Die Firma glaubt das nicht, hält das Plattendolomit für dicht und möchte in der Gerstunger Mulde weiterhin Rückstände der Kaliproduktion versenken. Die Gemeinde Gerstungen sieht dies anders, hält ihr Trinkwasseer für gefährdet und fordert den sofortigen Stopp der Versenktätigkeit. Mit deer Bohrung ist man nun bis in 510 Meter Tiefe vorgestoßen, in die unteren Schichten des Buntsandsteins, etwa 45 Meter oberhalt des Plattendolomits.

Leitfähigkeit

Zum Start der Probenahme wurde erst einmal eine Sonde in das Bohrloch hinuntergelassen. Diese wanderte in einer Geschwindigkeit von 10 bis 11 Metern pro Minute in die Tiefe, um kontinuierlich die Leitfähigkeit des Wassers zu testen. Anhand dieser Werte erhoffen sich alle Beteiligten klären zu können, wo die Grenze zwischen dem Süßwasserbereich unter der Erde und dem natürlich mineralisierten Wasser ist. Davon sollte abhängen, aus welchen Tiefen man Wasser zur Beprobung entnummt. Klar war nur, dass Wasser von ganz unten in jedem Falle hochgeholt werden soll, mindestens acht Liter, damit alle Beteiligten genügend von der gelblichen Flüssigkeit bekommen, um jeweils eigene Analysen in Auftrag geben zu können.

eine gelbliche Brühe kam aus etwa 200 Meter TiefeKaum waren die Zahlen da, begann die heftige Konferenz im Bauwagen. Für K+S war anhand der Ergebnisse zur Leitfähigkait klar, dass derzeit nur Proben aus etwa 500 Meter Sinn machen, während die Gemeinde darauf bestand, dass sich die Verhältnisse in diesen Schichten nach der Bohrung und dem Pumpen während der Erstellung des Bohrlochs noch nicht wieder normalisiert haben. Analysen des Wassers aus der von der Gemeinde geforderten Tiefe würden also Werte liefern, die nicht aussagekräftig seien. Dem schlossen sich auch die Landesbehörden (Bergamt und Landesamt für Umwelt und Geologie) an. Dennoch ordnete Bergamtschef Hartmut Kießling an, dass auch Proben in etwa 200 Meter Tiefe genommen werden, allerdings: "Das Bergamt und das Landesamt halten die Ergebnisse dieser Proben für nicht repräsentativ." Es könnten noch bis zu sechs Monate ins Land gehen, bis sich auch in diesen Schichten die natürlichen und damit repräsentativen Verhältnisse wieder eingestellt hätten. Aber das Bergamt fordert K+S auf, eine weitere, nicht so tiefe Bohrung (bis 200 Meter) in Auftrag zu geben, um auch dort die Werte zu beobachten und prüfen zu können. K+S nahm diese Aufforderung unter Vorbahalt zur Kenntnis, schließlich koste eine solche neuerliche Bohrung bis zu 150.000 Euro.

Volltreffer ?

Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung schaute ganz genau hin.Als repräsentativ will das Amt aber die Ergebnisse der Untersuchung des Wassers vom Grund des Bohrloches werten, weil sich dort der Normalisierungsprozess erheblich schneller vollziehe. Mitte nächster Woche könne mit den kompletten Ergebnissen zu rechnen sein, die Grundlage der Fachdiskussion sein sollen. Bürgermeister Hartung war sich aber schon sicher: "Das war ein Volltreffer".

Text und Bilder von Peter Rossbach

Quelle: TLZ vom 01.11.2008

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