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Im Brennpunkt

Di 28.10.2008 06:00

Die Kalilauge kommt wieder zurück

Bild Hessisches Umweltministerium: 30 % der seit den 1920ern versenkten Abwässer in Buntsandsteinschichten aufgestiegen

Mitten in Deutschland spielt die Natur verrückt: Die Quelle Breitzbachsmühle nahe der A4, die in den 50er-Jahren zur Wasserversorgung Bad Hersfelds angezapft wurde, sprudelt seit langem salzig wie Meerwasser. An der Werra siedeln Tiere und Pflanzen, die sonst Küsten bevölkern: Dünengewächse, Meeresalgen, Brackwasserschnecken.

Für Heinrich Vollrath, vormals Leiter des Hersfelder Instituts für Grünlandsoziologie, und andere Versenkungskritiker waren das schon in den 80er- und 90er-Jahren Alarmzeichen für die langsame Rückkehr angeblich sicher im Untergrund verwahrter Kali-Versenklaugen: "Warum hat es bei den Behörden nicht schon vor drei Jahrzehnten geklingelt?", fragte Vollrath bereits damals.

Aktuelle Antwort von Wenzel Mayer, Abteilungsleiter im hessischen Umweltministerium für den Bereich Wasser und Boden: Die Versenkung ist ein Auslaufmodell. Der angeblich sicher abgedichtete Plattendolomit kann die Abwässer nicht dauerhaft halten. Bedenken über aufsteigende Kalilauge im Grundwasserleiter Buntsandstein gebe es schon lange. "Neu ist", so Mayer, "dass wir jetzt die Größenordnung benennen können."

Eine Milliarde Kubikmeter Abwässer hat die Kali-Industrie seit 1920 beidseits des Flusses in die Tiefe gekippt - das Fünffache dessen, was der Edersee fasst. Diese Größe ist aktenkundig. Die Rückkehr von einem Drittel der Versenklauge in den Buntsandstein "ist so erheblich, dass man gar nicht anders kann als zu handeln". Aus Vorsorge für sauberes Trinkwasser.

Handeln - aber wie? Dazu hat sich das Ministerium mit einem Gutachten gewappnet, das auch K+S vorliegt. Ziel der Verhandlungen zwischen Wiesbaden und dem Kasseler Konzern: Nach Ende der 2011 auslaufenden Genehmigung des RP Kassel soll Schluss sein mit der Versenkung. "Es gibt", so Mayer, "auch keinen Rechtsanspruch auf Verlängerung". Noch 2006 waren Behörden davon ausgegangen, Zeit bis 2016 zu haben. Anfang der 90er-Jahre glaubte man gar an Versenkungshorizonte bis 2030. Dass solche Prognosen schnell von Messungen überholt werden, die Gefahr fürs Trinkwasser signalisieren, zeigte sich im Kaliwerk Neuhof-Ellers bei Fulda: Dort wurde im April 2008 die Versenkung stillgelegt.

Muss man sich an der Werra Sorgen ums Trinkwasser machen? Eine aktuelle Gefährdung sei nirgends zu sehen, so der Wiesbadener Regierungsexperte Mayer. Exakt die müsse durch rechtzeitiges Umlenken ja auch ausgeschlossen werden. Mayer räumt aber ein, dass etliche Quellen in der Vergangenheit wegen Versalzung abgeschaltet und Dörfer ans Fernwassernetz angeschlossen werden mussten.

Unstrittige Negativfolge aus aufsteigender Versenklauge seien aber die Salzwasserübertritte aus dem Untergrund in die Werra, sagt Mayer. Nicht zu steuern und derart viel, dass in trockenen Sommern allein diese "diffusen Einträge" die genehmigten ChloridBelastungsgrenzen des Flusses ausschöpfen - ohne dass die Kali-Werke selbst auch nur einen Liter beisteuern.


Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA vom 28.10.2008

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