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Im Brennpunkt

Fr 24.10.2008 07:41

Stunde der Entscheidung

Die Gemeinde Gerstungen und der Bergbaukonzern Kali+Salz streiten sich um die Versenkung von Lauge. Eine amtliche Probe des Landesbergamts soll jetzt Klarheit bringen.

GERSTUNGEN. Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) wird da sein: Am kommenden Donnerstag, Punkt 9 Uhr, an der Bohrstelle, nahe der Straße in Richtung Oberellen. Dann wird sich zeigen, ob der jahrelange Einsatz gegen das Kali+Salz-Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird. Die Vermutung der Gerstunger: Der Plattendolomit, eine Gesteinsschicht etwa 600 Meter unter der Erde, sei brüchig. Folglich dringe K+S-Salzabwasser in den Buntsandstein und verschmutze somit das Trinkwasser. Eigene Untersuchungen legten dies nahe (TA berichtete). Der Kaliproduzent aus Fulda hofft natürlich auf andere Ergebnisse. Zum Showdown an der Bohrstelle wird es aber nächste Woche nicht kommen. Etwa zwei bis drei Wochen schätzt das Landesbergamt, werde die Auswertung der Wasserprobe dauern. Sollte der Salzgehalt über den erlaubten Grenzwerten liegen, ist für Bürgermeister Hartung klar: Es darf keine Verpressung der Salzlauge aus Unterbreizbach in die Gerstunger Mulde geben. Der Rathauschef bezieht sich dabei auf eine Aussage von Umwelt-Staatssekretär Stefan Baldus (CDU) vom August. Sollte diese Möglichkeit für K+S wegfallen, seine Industrieabwässer hier zu entsorgen, wird es für das Unternehmen schwieriger, geeignete Lösungen zu finden. Im April erst hatte der Dax-Konzern eine Verlängerung der Zwischenspeicherung bis Ende des Jahres im ehemaligen Kali-Bergwerk Springen beantragt. Dem ist entsprochen worden und das dortige Volumen wurde von 500 000 Kubikmeter auf 750 000 Kubikmeter erhöht. "Das ist rechnerisch etwa die Menge Wasser, die seit dem Stopp bei uns in Gerstungen angefallen ist", sagt Werner Hartung. Vor etwa einem Jahr beendete Kali+Salz die Versenkung, die 1999 begonnen hatte, in dem Gebiet unter Gerstungen. Nun scheint es so, dass aus der ursprünglichen Zwischenlösung Springen eine dauerhafte Lagerstätte werden könnte. Derzeit wird Lauge in die zweite Sohle des alten Stollens eingeleitet. "Dass Bergwerke geflutet werden, ist in Deutschland keine Seltenheit", erklärt Thomas Brand vom Landesbergamt Thüringen. Der stellvertretende Leiter der Behörde versichert, dass seine Beamten die Messwerte stetig überprüfen. Die ursprüngliche Absicht, dass die Lauge wieder herausgepumpt werden muss, besteht indes nicht mehr. "Es könnte sich zu einer dauerhaften Lösung entwickeln", sagt Thomas Brand. Eine geologische Notwendigkeit, das Wasser wieder ans Tageslicht zu bringen, bestehe zumindest mittelfristig nicht. So sieht es auch Kali+Salz-Sprecher Ulrich Göbel. Indes bringt auch diese Variante für den hessischen Düngemittelkonzern nur einen kurzen Zeitaufschub. Der Runde Tisch aus Umweltverbänden, dem Bergbauunternehmen und Vertretern betroffener Kommunen empfiehlt deshalb, eine Pipeline in die Nordsee ernsthaft in Erwägung zu ziehen. "Die Pipeline reduziere die Salzbelastung am wirksamsten", heißt es in einem Papier des Runden Tisches. Sie ist aber auch die teuerste Maßnahme. Dem Gremium zufolge, gebe es zwei weitere Alternativen zur Pipeline. Entweder vermeidet K+S bei der Produktion, dass überhaupt Salzlauge entsteht oder es verdampft die Abwässer zu festem Salz.

Christian GRIMM 23.10.2008

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 24.10.2008

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