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Do 23.10.2008 07:13

Gutachten soll Schäden beziffern

Kassel Der runde Tisch Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion will auch die wirtschaftlichen Schäden in den Blick nehmen, die durch die Laugenabwässer der Kaliindustrie verursacht werden. Dazu hat er nach stz-Informationen in seiner Sitzung am Montag beschlossen, ein Gutachten zu den Folgekosten erstellen zu lassen.

Laut Leistungsverzeichnis, das der runde Tisch bereits erarbeitet hat, sollen dabei unter anderem die Kosten berücksichtigt werden, die dadurch entstehen, dass Trinkwasservorkommen unbrauchbar geworden sind oder gesichert werden müssen. Zu den Folgekosten zählen darüber hinaus die Beeinträchtigung landwirtschaftlicher oder gärtnerischer Nutzung der Flussauen und die Einbußen für die Fischerei. Auch Schäden an Brücken, Schleusen und Baudenkmälern durch die Salzeinwirkung sollen erfasst werden. Ebenso die Potentiale, die der Tourismuswirtschaft entgehen, weil die ökologischen Schäden an der Werra das Image der Region negativ beeinflussen, und die Belastung künftiger Generationen, die über Jahrhunderte die Kalihalden bewirtschaften müssen.

Bei der von dem Gutachten erwarteten Kostenermittlung soll es primär um Transparenz und die Veranschaulichung der Größenordnungen gehen, damit eine Vergleichbarkeit mit den geschätzten Kosten alternativer Entsorgungsformen möglich ist.

Noch ist ein solches Gutachten aber nicht vergeben worden, betonte der Pressesprecher des runden Tisches, Dr. Christoph Ewen gegenüber der stz. Die Möglichkeit einer solchen Untersuchung werde jetzt geprüft. Auch das zuletzt schon anvisierte Gutachten über die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen der Kaliindustrie für die Region, sei noch nicht vergeben worden. Stattdessen habe der runde Tisch die Verlängerung der Ausschreibungsfrist beschlossen.

Im Mittelpunkt der Sitzung hätten aber die Maßnahmen gestanden, die die höchste Wirksamkeit zur Reduzierung der Salzbelastung in der Werra versprechen. Der runde Tisch habe dabei die Prioritätenliste einer seiner Arbeitsgruppen bestätigt und beschlossen, eine Expertise zur Nordseepipeline erstellen zu lassen. Das Gutachten werde sich aber zunächst auf die rechtlichen Fragen beschränken, räumte Ewen ein. Etwa, ob eine solche Pipeline mit der EU-Meeresschutzrichtlinie vereinbar sei.

Neben der Nordsee-Pipeline seien die favorisierten Entsorgungsmaßnahmen in drei Gruppen eingeteilt worden: In Maßnahmen der Vermeidung durch Änderungen in der Produktion, in Maßnahmen der Konzentration der Abwässer, zum Beispiel durch Verdampfen, und in Maßnahmen der Verbringung unter Tage. Das könnte in Form fester oder flüssiger Rückstände geschehen, zum Beispiel als Dickstoffversatz, bei der man dickflüssige Salzlauge mit Flugasche verbindet, erläuterte Ewen. In Unterbreizbach werde dies bereits praktiziert. Zu prüfen wäre, wie weit dieses Verfahren ausgedehnt werden kann.

Wir haben die Spreu vom Weizen getrennt und erarbeiten nun konkrete und umsetzbare Maßnahmenpakete, zog der Leiter des runden Tisches, Professor Dr. Hans Brinckmann, gestern eine positive Zwischenbilanz. Dazu werde man eine zeitliche Perspektive entwickeln. Für ihn liege die Lösung in einer intelligenten Verknüpfung unterschiedlicher Maßnahmen, betonte er.

Indessen drängte die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker gestern erneut zur Eile. Zur Nordseepipeline gibt es keine Alternative, betonte sie gegenüber der stz. Es sei richtig, dass der runde Tisch entsprechende Prüfaufträge vergebe. Die müssten aber zügig in konkreten Aussagen münden, wenn sie keine Ablenkungsmanöver sein sollen.

Gestern hat auch das Landesbergamt in Gera einen Termin für die amtliche Probeentnahmen aus der Monitoringbohrung in Gerstungen festgelegt. Am 30. Oktober ab 9 Uhr soll sie unter der Aufsicht des Thüringer Landesamtes für Umwelt und Geologie erfolgen und öffentlich sein, teilte die Behörde mit. Die Probe soll Aufschluss geben, ob die Verpressung im Gerstunger Plattendolomit Auswirkung auf die Trinkwasser führende Buntsandsteinschicht hat. Vom Ergebnis will die Behörde abhängig machen, ob sie K+S die beantragte weitere Verpressung genehmigt.

Gleichzeitig bestätigt der stellvertretende Behördenleiter Thomas Brand der stz, dass das Bergamt K+S die Vorbereitung der Schachtverwahrung am Schacht Alexandershall bei Dippach genehmigt hat. In Dippach hatten Anfang der Wochen Anwohner entsprechende K+S-Aktivitäten am Schacht Alexandershall festgestellt.

Es sei zu begrüßen, wenn K+S nicht mehr benötigte Schächte verfülle, so Brand. Für die technisch anspruchsvolle Verfüllung müsse aber ein eigener Betriebsplan erstellt und vom Landesbergamt genehmigt werden. Ein solcher Antrag liege allerdings noch nicht vor.

K+S-Pressesprecher Ulrich Göbel konnte gestern zwar noch nicht bestätigen, dass in Alexandershall bereits an der Vorbereitung für die Verfüllung gearbeitet werde. Grundsätzlich beabsichtige K+S aber, nicht mehr benötige Schächte im Bereich Merkers zu verfüllen. Dazu zähle auch der Schacht Alexandershall, der unter Tage mit der Grube Merkers verbunden ist. Mit der Zwischenlagerung im ehemaligen Bergwerk Springen habe die Maßnahme allerdings nichts zu tun, auch wenn Springen ebenfalls eine Verbindung zu Merkers habe. Vielmehr gehe es darum, den Unterhaltungsaufwand für die nicht mehr benötigten Schächte zu reduzieren. Denn nicht verfüllte Schächte müsse das Unternehmen dreimal jährlich kontrollieren.

Von stz-Korrespondent Georg Grünewald

Quelle: Südthüringer Zeitung vom 23.10.2008

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