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Im Brennpunkt

Do 09.10.2008 11:29

Versalzenes Wasser, versalzenes Klima

Eigene Messungen der Gemeinde Gerstungen sollen belegen, dass K+S-Salzlauge das Trinkwasser bedroht

Sie kämpfen entschlossen gegen die Versenkung von Salzlauge in die Gerstunger Mulde. Nun präsen- tieren Bürgermeister Werner Hartung (pl) und der Chef der Gemeindewerke Ulf Frank eigene Messdaten, die eine erhebliche Belastung des Grundwassers nahelegen.

Von Christian GRIMM

GERSTUNGEN.
Wir glauben, dass das Landesbergamt Messergebnisse vertuscht, lautet der scharfe Vorwurf von Bürgermeister Werner Hartung. Seit Wochen sei die Veröffentlichung der Ergebnisse aus der Probebohrung angekündigt, doch nichts passiere, beschwert sich der Bürgermeister. Das Landesbergamt beantwortet keine unserer Anfragen mehr, schiebt Hartung in schärferem Ton nach.

Sein Chef der Gemeindewerke nickt unterstützend mit dem Kopf. Ulf Frank fährt häufiger am Ort der Probebohrung, unweit der Straße Richtung Oberellen vorbei. Er ist ein Gegner des vom Bergbaukonzern Kali und Salz bevorzugten Plans, Salzlauge aus Unterbreizbach in die Gerstunger Mulde zu pumpen. Am Montag vor einer Woche hatte er ein Messgerät dabei, das die Leitfähigkeit von Wasser prüft. Je höher die Leitfähigkeit, desto mehr Salz befindet sich im Wasser. Direkt neben der Bohrung befand sich eine Pfütze und dort habe ich das Messgerät reingehalten, erklärte Ulf Frank. Er vermutet, dass diese Pfütze entstanden sei, als die Bohrung das letzte Mal abgetäuft wurde.

Eine Probe dieses Pfützenwassers hat der Geologe Dr. Ralf Krupp untersucht und ein wissenschaftliches Gutachten angefertigt. Die Salzkonzentration ist fünf Mal höher als im Wasser der Werra, sagt der Fachmann. Dabei sei doch bekannt, dass in der Werra schon stark salzhaltiges Wasser fließe. Außerdem haben Krupps Untersuchungen ergeben, dass der Bromidgehalt des Wassers derart hoch sei, dass er unmöglich auf natürliche Auswaschung zurückzuführen sei.

Ich weiß schon, was jetzt kommt, sagt Bürgermeister Hartung. Da könne ja jeder kommen und irgendetwas behaupten. Für den Rathauschef steht jedoch fest, dass niemand drei Eimer K+S-Abwasser aus Unterbreizbach geschmuggelt und dort hingekippt hat. Bei der Agrargenossenschaft hat sich Werner Hartung auch erkundigt. Die Bauern haben nicht gedüngt. Wie kommt aber das viele Salz in die Pfütze? Der beauftragte Geologe Ralf Krupp bemüht sich, die Sache einfach und verständlich zu erklären. Während der Entstehung der Gerstunger Mulde haben sich vor Urzeiten Bruchlinien im Plattendolomit gebildet. Das ist aber die Sperrschicht, in die Kali und Salz seine Abwässer verpressen will. Sie liegt über einen halben Kilometer unter Gerstungen. Über diese Klüfte dringt die Lauge auch in den darüberliegenden Buntsandstein und verschmutzt das Grundwasser, sagt Geologe Krupp.

Für Bürgermeister Hartung und den Rechtsanwalt der Gemeinde, Alexander Reitinger, ist klar, was das bedeutet ( keine Versenkung von K+S-Lauge aus Unterbreizbach in der Gerstunger Mulde. Beide beziehen sich auf eine Aussage von Umwelt-Staatssekretär Stefan Baldus (CDU). Dieser hat in einem Gespräch Anfang August gesagt, dass es keine Genehmigung für K+S geben wird, wenn bei der Probebohrung Salzrückstände im Buntsandstein gefunden werden. Für mich steht fest, dass unser Grundwasser belastet wird, erklärt Werner Hartung.

Die Ergebnisse der Gerstunger Untersuchung seien eindeutig. Hier soll nicht sein, was nicht sein darf, sagt Rechtsbeistand Reitinger in Richtung des Landesbergamtes.

Das ist völliger Unsinn, wiegelt der stellvertretende Leiter des gescholtenen Amtes, Thomas Brand gleich ab. Wir haben noch keine Messdaten, weil sich das Wasser nach der Bohrung erst einmal beruhigen muss, will er klargestellt wissen. Den Vorwurf der Vertuschung hält er für völlig abwegig, auch habe er jede Anfrage der Gemeinde beantwortet. Das Landesbergamt wird nach Aussage Brands die erste amtliche Probe Ende Oktober ziehen. Die Auswertung könne dann nochmals zwei Wochen dauern, so Thomas Brand.

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 09.10.2008

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