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Im Brennpunkt

Do 09.10.2008 06:59

Die Wahrheit aus der Pfütze

Gerstungen. (ep) Für Werner Hartung steht fest: Es kann kein weiteres Versenken von Salzabwässern aus der Kaliproduktion in die Gerstunger Mulde mehr geben! Aus dem jetzigen Stopp wird ein Aus, damit die Trinkwassergefährdung der Region endlich gebannt ist. So, wie das Umweltstaatssekretär Stefan Baldus mehrfach zugesichert hat - zuletzt bei einem Termin Anfang August - für den Fall, dass sich im Buntsandstein der Mulde Einflüsse durch versenkte Lauge aus dem Kaliabbau durch das Unternehmen K + S zeigen. Dann nämlich wäre eine weitere Versenkung nicht mehr genehmigungsfähig.

Um festzustellen, ob der Buntsandstein dicht ist oder nicht, hatte man sich auf ein Tiefenmonitoring geeinigt. Die für Ende August versprochenen Messergebnisse aus dem 510 Meter-Loch, das etwa 100 Meter über dem Plattendolomit endet, lassen jedoch auf sich warten. Begründung aus dem Thüringer Bergamt: Eine Filterstrecke im Bohrloch musste freigespült werden. Deswegen hätte sich die Wassersäule im Loch vermischt und müsse sich für eine verlässliche Auskunft erst beruhigen. "Mächtig aufgeregt", bemerkte Werner Hartung. Dr. Ralf Krupp, Geologe, Geochemiker und Gutachter untermauerte die Ironie wissenschaftlich: "Proben kann man auch unter gestörten Verhältnissen nehmen und dies dann entsprechend einordnen."

Weil der Gemeinde die Hinhaltetaktik aus der Behörde suspekt ist, hat sie sich am 29. August, dem ursprünglich vereinbarten Messtermin, selbst auf den Weg zum Bohrloch gemacht. Braunes, von Salz verbranntes Gras in dessen Nähe habe auf einen Wasseraustritt aus dem Loch gedeutet. Eine Pfütze in der Nähe zeigte einen hohen Leitwert, berichtete Gemeinde-Jurist Alexander Reitinger. Also nahm man kurzerhand aus der Lache eine Probe mit und gab sie ins Labor. Dr. Krupp fasste das Ergebnis zusammen: Es handelt sich um "Mischwasser mit Salzabwasser". Seine Analyse ist verheerend. Allein der Calciumgehalt der Probe sei fünfmal höher als der in der Werra. Auch Bromid- und Kaliumgehalt seien "jenseits denkbarer Verhältnisse". Die Pfütze sei unzweifelhaft ein "Austritt". Für ihn steht fest, dass die Gewässersysteme in der Tiefe bereits miteinander kommunizieren, der Plattendolomit zerrüttet und durchlässig geworden ist. Dass Salzwasser ins Deckgebirge übergetreten ist, habe bereits die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie festgestellt, demonstrierte Werkleiter Ulf Frank zudem anhand von Tabellen aus der Behörde.

Dass sich in der Pfütze tatsächlich Salzabwasser aus der Kaliproduktion nachweisen ließ, sei unbestritten, so der Bürgermeister. Landwirtschaftliche Dünger kämen in diesem Bereich nicht zum Einsatz, eine defekte Laugenleitung könne ebenso ausgeschlossen werden wie der Umstand, dass jemand aus dem Werk Unterbreizbach Lauge neben der Bohrung verschüttete. Er würde wohl seinen eigenen Arbeitsplatz gefährden.

Höchstes Gut

Alexander Reitinger ist davon überzeugt, dass die Messergebnisse aus dem Bergamt deswegen ausbleiben, weil bereits Salzabwasser im Buntsandstein nachgewiesen wurde. "Die Ergebnisse werden vertuscht. Sie können nicht besser aussehen, als wir nachgewiesen haben", meint auch Werner Hartung. Und schlussfolgert: "Wenn sie gut wären, hätten wir sie schon gehabt." Deswegen fordert er das Bergamt auf, die Ergebnisse des Tiefenmonitorings schnellstens offenzulegen. Immerhin handele es sich um einen strafbewährten Tatbestand, ergänzt der Jurist: Trinkwasserschutz ist eines der höchsten Güter. Da gestalte sich eine Nichtauskunft bereits problematisch. Aus dieser Lache am Bohrloch stammt die Probe.


08.10.2008 Von Rita Specht

Quelle: Thüringer Landeszeitung vom 09.10.2008

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