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Im Brennpunkt

Mo 04.08.2008 10:27

Warum die Kopfschmerzen im Werratal verschwinden

Hessische Amateursportler machten sich für eine saubere Werra und gute Luft im Tal stark. geb Dankmarshausen. (ep/geb) Mit einer sportlichen Höchstleistung setzten am Sonntag hessische Amateurradfahrer ein Zeichen gegen die Verschmutzung der Werra durch Salzlauge der Firma Kali und Salz. An der Werrabrücke Dankmarshausen machten sie Zwischenstopp, um nach kurzer Rast nach Bad Sooden-Allendorf aufzubrechen und dort die 270-Kilometer-Tour zu beenden. Ältester Teilnehmer war mit 74 Jahren Klaus Peter Burger aus Kassel, ehemaliger Deutscher Senioren-Meister im Marathon.

Nach etwa 130 Etappen-Kilometern wurden die 20 Teilnehmer der "Tour de Salz" an der Werrabrücke Dankmarshausen mit Beifall begrüßt und verköstigt. Gestartet waren sie bei strömenden Regen um 6 Uhr in Eisfeld unterhalb des Zusammenflusses der beiden Werra-Quell-Bäche. Neben den Hauptakteuren konnte Klaus Reinhardt, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal" Bundestagsabgeordneten Ernst Kranz und Landtagsabgeordneten Heiko Gentzel (beide SPD) begrüßen. Ein Multicar mit einer Fuhre Salz und Protestplakate wiesen neben der "Werra-Nixe" auf den Ernst der Situation hin. "Wir wollen es ganz einfach nicht hinnehmen, dass der Werra und der dazu gehörigen Flora und Fauna weitere Belastungen zugemutet werden", sagte Reinhardt. Jeder, der in der Werra-Region unterwegs sei, wäre angetan von der Einzigartigkeit dieser Naturlandschaft. Das setze sich fort bis zur Werramündung in Hannoversch-Münden. Viel sei in den letzten 18 Jahren zur Verbesserung der Lebensqualität der in der Region lebenden Menschen getan worden. Das betreffe die Infrastruktur, die Verbesserung des Naturschutzes und die Verringerung der Salzfracht. Als Begleiterscheinung habe sich der Tourismus entwickelt, so dass man steigende Besucherzahlen konstatieren könne. Ob diese Entwicklung dauerhaft ist, sei angesichts der umstrittenen Vorhaben des Kali-Konzerns fraglich, sagte Klaus Reinhardt mit Blick auf den geplanten Bau einer der größten Müllverbrennungsanlagen Deutschlands, der in alle Richtung wehenden Schadstoffe von den so genannten "Weißen Bergen", des Paddelns auf einem "Abwasserkanal" oder der Übernachtung in einer Region mit belastetem Trinkwasser.

Böse Erfahrungen

Reinhardt schilderte die Erfahrungen der Gemeinde Dankmarshausen in den 70er Jahren, in denen das durch Laugenversenkung versalzene Wasser weder zum Trinken, zum Kochen oder Baden von Kleinkindern genutzt werden konnte. Er appellierte unter dem Slogan: "Heute brauchen wir eure Stimme, morgen braucht ihr unsere" an die Anwesenden, über öffentlichen Druck die Politiker zu beeindrucken. Frank Hix, Vorsitzender des Vereins "Rettet die Werra", erinnerte an zwei Jahre öffentlich wirksamen Protestes gegen die Werraversalzung, der in fünf Bundesländern ungebremst hoch sei. Die Protestfront sei rasch groß geworden, womit weder deren Initiatoren noch die Firma K + S gerechnet hätten. Hix betonte, dass zum Erhalt der Arbeitsplätze im Kalibergbau dringend umweltverträgliche Entsorgungsvarianten anzuwenden sind. Aufgrund des in wenigen Jahren zu Ende gehenen Versenkraums im Erdreich und der Auflage, spätestens 2013 weniger Salz in die Werra einzuleiten, müssten K + S sowie die Behören jetzt handeln. Anderenfalls könne es geschehen, dass 4000 Kalikumpel wegen der Einstellung der Produktion ihre Arbeit verlören.

Nicht ohne Sarkasmus richtete Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung das Wort aus Sicht des Kali-Konzerns an die Anwesenden. Er versetzte sich im "Zentrum der Wertschöpfung" in die Rolle des Nutznießers der Müllver- brennungsanlage, der Laugeneinleitung in die Werra, der Kalilaugenversenkung und der Aufhaldung und beschönigte sowohl Müllverbrennung als auch Laugeneinleitung. Damit könne man Stress bei den zahl- und artenreichen Fischen vermeiden und gleichzeitig die "größtmögliche Schonung unserer natürlichen Lebensräume" erreichen.

Positiver Effekt

Die weißen Berge seien nicht nur touristische Attraktion, sondern hätten einen weiteren positiven Nebeneffekt. Die gleichzeitig mit abgelagerten Produktionshilfsstoffe hätten nach Angaben hessischer Behörden die Wirkung von Kopfschmerztabletten. Das führe dazu, dass es immer weniger von Kopfschmerz geplagte Bürger im Werratal geben werde - ohne Medikamentenzuzahlung. Solcherart Argumentation sei nicht aus der Luft gegriffen, sondern Teil der täglichen Auseinandersetzungen mit Unternehmen und Behören, sagte Hartung. Umso mehr freue er sich, dass sich immer mehr Bürger kritisch mit den Problemen an und in der Werra auseinandersetzten.

04.08.2008

Quelle: Thüringische Landeszeitung vom 04.08.2008

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