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Do 08.05.2008 07:51

Trinkwassermonitoring Diskreditierung kontra Verzögerung (STZ)

Gerstungen und K+S mit neuem Streit und massiven gegenseitigen Vorwürfen

Gerstungen
- Wer sabotiert wen? Im Streit zwischen der Gemeinde Gerstungen und dem Düngemittelkonzern K+S gibt es einen neuen Konfliktherd: Das Trinkwasser-Monitoring, das die eigentliche Streitfrage klären soll: Ist das Trinkwasser der Gemeinde gefährdet, wenn der Düngemittelkonzern K+S weiterhin seine Laugenabwässer aus Unterbreizbach in der Gerstunger Mulde verpresst?

Jetzt hat die Gemeinde K+S untersagt, weitere Proben aus ihren Trinkwasserbrunnen zu nehmen. Stattdessen solle das Monitoring durch ein unabhängiges Institut oder durch behördliche Einrichtungen erfolgen, fordert Bürgermeister Werner Hartung vom Landesbergamt. Die Probeentnahme durch K+S sei ineffektiv, klagt er. Proben seien über mehrere Wochen nicht bearbeitet und die Ergebnisse nicht oder nur unvollständig und wiederum zeitlich verzögert dem Landesbergamt und anschließend der Gemeinde Gerstungen zur Verfügung gestellt worden.

Unverständlich ist der Gemeinde zudem, warum die Trinkwasserbrunnen jetzt auch auf eine Schwermetallbelastung überprüft werden. Der Grund könne nur eine extreme Belastung der Lauge mit Schwermetallen sein oder der Versuch, die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Gerstungen zu diskreditieren, meint der Bürgermeister und berichtet von widersprüchlichen Messergebnissen.

In einem Trinkwasserbrunnen der Gemeinde sei laut K+S-Forschungsinstitut der Nickel-Grenzwert um das 190-fache überschritten worden, habe das Bergamt der Gemeinde telefonisch mitgeteilt. Am 2. Mai war das. Laut Hartung hätte K+S die Probe aber schon am 15. Februar genommen und sie am 8. April untersucht. Es sollte aber noch eine Überraschung folgen: Denn die Gemeinde hat nach Hartungs Angaben die Messergebnisse überprüft und die entsprechenden Rückstellproben durch ein unabhängiges Institut analysieren lassen. Das Ergebnis: Zu keinem Zeitpunkt habe eine Überschreitung des Grenzwertes von Nickel existiert.

Das Vertrauen in die Messungen des K+S-Labors sei damit "vollständig zerstört", klagt Hartung und befürchtet, die Diskreditierung der Trinkwasserversorgung angesichts "gegensätzlicher Interessen".

Gemeint ist das Interesse von K+S, weiter Laugen in der Gerstunger Mulde zu verpressen, und das Interesse der Gemeinde, seine Trinkwasserversorgung zu schützen und im Zweifelsfall Schadenersatz geltend zu machen.

Dementsprechend hat man bei K+S in Kassel auch eine ganz andere Sicht der Dinge. Pressesprecher Ulrich Göbel weist die Vorwürfe der Gemeinde zurück. Die Sache mit den Schwermetall-Messungen könne schon kein Diskreditierungsversuch von K+S sein, weil sie vom Landesbergamt vorgeschrieben worden seien. Die Nickelüberschreitung selbst könne sich K+S auch nicht erklären, weshalb man Kontrollmessungen empfohlen habe. Dass sie von den Laugen kommen, sei ausgeschlossen. Und Zweifel am K+S-Forschungsinstitut weist er auch zurück. Es habe "sämtliche Zertifizierungen" und absolut qualifizierte Mitarbeiter.

Göbel hat seinerseits eine Erklärung Richtung gegensätzlicher Interessen: "Einer der vielen Anläufe der Gemeinde, die weitere Bearbeitung des K+S-Antrags zu verzögern." Er meint den Antrag des Konzerns, weiterhin Laugenabwässer in der Gerstunger Mulde verpressen zu dürfen. Aber ohne (unbedenkliche) Monitoring-Ergebnisse kann es keine Genehmigung geben. So die Vorgabe des Thüringer Umweltministeriums.

Umweltstaatssekretär Stefan Baldus (CDU) hat inzwischen das Landesbergamt beauftragt, die von der Gemeinde geschilderten Vorgänge zu überprüfen. Einschließlich der Frage, ob Gerstungen dem K+S-Konzern die Messungen überhaupt untersagen kann. Die Gemeinde habe jedenfalls eine Mitwirkungspflicht, sagt er und packt auch einen Vorwurf aus - in Form einer Warnung: Wenn die Gemeinde weiterhin das Monitoring verhindert, muss sie sich auch über die Folgen bewusst sein. Baldus berichtet, dass die Gemeinde bis vergangene Woche eine neue Bohrung verhindert habe und inzwischen ein Bergabtretungsverfahren geprüft werde.

Aber auch das bleibt nicht unwidersprochen: "Quatsch", wehrt sich Hartung. Man habe nur eine andere Messstelle benannt. Von Verhinderung könne keine Rede sein. Wegen K+S hat er Baldus um ein Gespräch gebeten. Droht der nächste Krisengipfel?

Von stz-Korrespondent Georg Grünewald

Quelle: Südthüringer Zeitung vom 08.05.2008

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