Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Do 17.04.2008 13:34

Statement der Gemeinde Gerstungen zur 2. Sitzung des Runden Tisches "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion"

(Kassel 15.04.2008) Eine überaus große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Gerstungen begrüßt die Bildung des Länder übergreifenden Runden Tisches mit berufenen Vertretern von Umweltverbänden, Kommunen, Landkreisen, Behörden und dem Unternehmen Kali + Salz AG. Die beiden Landtagsbeschlüsse von Hessen und Thüringen verdeutlichen das große öffentliche Interesse, mit Hilfe eines dauerhaften Runden Tisches die Wasserqualität von Werra und Weser nachhaltig zu verbessern.

Dabei wird die Aufgabe keineswegs einfach und kurzfristig zu lösen sein. Zu groß sind die Umweltprobleme, welche sich über den 100-jährigen Kaliabbau im Werratal angesammelt haben.

Das gemeinsam gesteckte Ziel "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" kann jedoch keinesfalls dadurch erreicht werden, dass man nur die Laugendirekteinleitung in die Werra zu Lasten ebenso umweltschädigender Entsorgungswege, wie Aufhaldung oder Versenkung, reduziert oder einstellt. Untersuchungen, Gutachten und nicht zuletzt die Geschichte belegen, dass gerade diese beiden Technologien in Bezug auf die schädlichen Umweltbelastungen nicht mehr steuerbar sind.

Bei der Aufhaldung von Kaliproduktionsrückständen werden hochgiftige ESTA-Zusatzstoffe freigesetzt. Durch Verwehungen gelangen diese in zunehmendem Maße in unsere Atemluft.

Die Versenkung von Halden- oder Produktionsabwässern führt über Störstellen im Untergrund zur Verdrängung von wertvollem Grundwasser. Dadurch wird folglich auch großflächig das Trinkwasserdargebot zerstört und belastet Natur und Wassergebührenzahler im vollen Umfang. Mittlerweile geht man davon aus, dass von den bislang ca. 1 Milliarde m³ versenkter Lauge etwa 40 % wieder an der Oberfläche ausgetreten ist und somit für eine lang anhaltende, immer stärker werdende Belastung für die Werra wird. Das so belastete Versenkgebiet umfasst bereits jetzt eine Fläche von ca. 500 km²!!!

Die negativen Auswirkungen dieser beiden Technologien belasten nicht nur unsere, sondern auch zukünftige Generationen. Ein krampfhaftes Festhalten an diesen nachweislich schädlichen, vollkommen überholten Entsorgungswegen ist verantwortungslos, richtet sich gegen das Allgemeinwohl und ist ausschließlich gewinnorientiert.
Der Runde Tisch bietet unserer Generation die einmalige Chance, die Interessen der Kaliproduktion inklusive ihrer sehr wichtigen Arbeitsplätze mit den Interessen des mindest ebenso wertvollen Schutzes von Trinkwasser, Gewässern, Natur und Bauwerken weitgehend in Einklang zu bringen. Hierzu sind mit Sicherheit auch gewisse vertretbare Kompromisse aller Beteiligten notwendig. Damit alle Mitglieder des Runden Tisches eine verantwortungsvolle Abwägung vornehmen können, sind wesentlich mehr Offenheit und Ehrlichkeit aller Beteiligten als bisher gefragt.

Die Gemeinde Gerstungen erwartet, dass der Runde Tisch allen Vertretern von der Kaliindustrie Betroffenen eine volle Mitgliedschaft gewährt. Zur jetzt vorgeschlagenen Besetzung fehlt unserer Meinung nach auf alle Fälle der Bauwerks- und Denkmalschutz (Brücken, Kraftwerke, Kanäle …). Gleichfalls gehen wir davon aus, dass es für die Mitglieder keine Tabus zur Kenntnisnahme von Untersuchungen, Gutachten und Technologien geben darf, die der Sache dienen.

Nur durch eine komplexe Aufarbeitung der Entsorgungspraxis mit allen damit entstandenen und auch noch absehbaren Problemen ist eine zielführende Arbeit des Runden Tisches möglich.

Gleiches betrifft die Bewertung aller möglichen Entsorgungsalternativen. Eine Entscheidungsfindung fast ausschließlich nach den Kriterium Kosten wird unweigerlich in eine Sackgasse führen.

An dieser Stelle möchte ich nochmals die volle Mitgliedschaft der Gemeinde Gerstungen als eine der am meisten betroffenen Kommunen anmahnen. Eine gegenseitige Vertretung der Gemeinden Gerstungen und Unterbreizbach ist durch die grundsätzlich unterschiedliche Betroffenheit ausgeschlossen.

Werner Hartung
Bürgermeister

Druckversion