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Im Brennpunkt

Di 01.04.2008

Höhere Belastung für Werra-Auen

Gerstungen/Kassel. (ep) "Es ist ein Unding, dass da jetzt noch mehr reingekachelt werden soll", empört sich Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung. Verhindern wird er es aber nicht können, dass vermutlich schon bald noch mehr Kalilauge bei Philippsthal in die Werra eingeleitet wird.

Wahrscheinlich noch im April muss der Kasseler Düngemittelkonzern K+S die Entsorgung von Salzabwässern seines Werkes Neuhof-Ellers bei Fulda in tief liegende Gesteinsschichten einstellen. Das Regierungspräsidium Kassel hat angekündigt, in Kürze die Stilllegung der letzten zwei von einst fünf Versenkbohrungen anzuordnen, weil auch sie voll sind. Für K+S hieße das: Was der Regen aus der riesigen Kali-Abraumhalde bei Neuhof an Abwässern wäscht, muss komplett zur 60 Kilometer entfernten Werra gebracht werden.

Im Schnitt 2000 bis 2500 Kubikmeter Salzabwasser fallen am Fuß der Halde täglich an. Knapp zwei Drittel davon werden laut K+S jetzt schon per Lastwagen und Bahn zur Werra gefahren - gegen den Protest vieler Anlieger von Werra und Weser, die die Salzfracht in ihren Flüssen nicht gesteigert, sondern reduziert haben wollen. Nach Stopp der Versenkung dürfte die Zahl der Laster-Fuhren zum K+S-Werk nach Philippsthal pro Tag von 80 auf deutlich über 100 steigen.

Haldenabwässer

Nach Angaben von K+S-Sprecher Ulrich Göbel gegenüber TLZ/EP bereitet sich das Unternehmen bereits auf diesen Fall vor. Allerdings: Bislang liegt noch keine Anordnung des Regierungspräsidiums vor. Dass nun auch die restlichen Haldenabwässer in die Werra geleitet werden, scheint aber die einzige Alternative, die das Unternehmen hat. Und diese Variante ist auch so in der Betriebsgenehmigung für die Halde vorgesehen.

Für Werner Hartung bedeutet dies eine weitere Belastung der Umwelt gerade in der hiesigen Region. "Noch Lauge in der Werra heißt nichts anderes, als dass gerade Auen und Überschwemmungsgebiete noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als jetzt schon".

Für den Gerstunger Bürgermeister ist diese neue Entwicklung der nächste Beweis dafür, "dass die Versenkung einfach nicht hinhaut". Auch in den laufenden Verfahren in Sachen Versenkung in der Gerstunger Mulde werde von Seiten der Firma weiter behauptet, dass "gar nichts passieren könne und dies für die nächsten 20 bis 30 Jahre" laufen könne, so Hartung. Ähnliche Prognosen habe es auch für die Versenkung bei Neuhof gegeben. "Was man von diesen Prognosen halten sollte, ist hier deutlich sichtbar". Im Jahr 2003 hatte K+S die wahrscheinliche Versenkdauer bei Neuhof auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Nun ist nach nicht einmal zehn Jahren Schluss.

Negative Entwicklung

Dass K+S natürlich weiter die im Vergleich zu anderen Gewässern sehr firmenfreundlichen Grenzwerte einhalten muss, ist dabei für Hartung kein Trost. "Das ändert doch nichts daran, dass es für die Umwelt eine negative Entwicklung ist."

31.03.2008 Von Peter Rossbach

Quelle: TLZ vom 01.04.2008

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