Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Do 14.02.2008

Salzbrühe ins Meer

Der Düngemittelhersteller Kali + Salz hat endlich ein Entsorgungskonzept auf den Tisch gelegt. Und als eine Alternative auch den Bau einer Pipeline zur Nordsee eingeräumt. Doch es gibt weiter Befürchtungen. Zu Recht.

EISENACH/GERSTUNGEN. "Holzauge sei wachsam", formulierte gestern Katja Wolf (Linke) den Fortschritt in den Verhandlungen um eine langfristige Entsorgung. Natürlich sei es ein Erfolg aller, die gegen die weitere Einleitung von Salzlauge in die Werra gekämpft haben, so die Eisenacher Landtagsabgeordnete. Ihre Fraktion werde aber aufpassen, dass der Konzern nicht nur auf Zeit spielt. Ähnlich sieht es SPD-Kollege Heiko Gentzel. "Ich warne, leichtgläubig zu sein", sagte er gestern. Solange nichts Schriftliches vorliegt, sollte man sehr vorsichtig sein. "Wir brauchen Eckdaten und Ziffern, keine Absichtserklärung", forderte Gentzel. "Es muss sich zeigen, welche Variante die vertretbare ist", meinte Christian Köckert, der als CDU-Landtagsmitglied auch zuständig für die Region ist. Alle Varianten müssten gemeinsam mit K + S, den Genehmigungsbehörden und betroffenen Kommunen intensiv beraten werden. Positiv sei, dass Bewegung in die Angelegenheit zu kommen scheint, sagte Köckert. Der Düngemittelhersteller hat im Zuge seiner Entsorgungspläne endlich ein Entsorgungskonzept vorgelegt, das auch den Bau der Nordsee-Pipeline beinhaltet. Die Vorlage eines solches Konzepts bis Ende Februar hatte das Landesbergamt zur Bedingung gemacht. Klaus Reinhardt, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) "Für ein lebenswertes Werratal" aus Dankmarshausen bleibt vorsichtig. "Eventuell will man nur Zeit gewinnen. Dafür gibt es genügend Erfahrungen aus der Vergangenheit", kommentierte er die Neuigkeit. Johannes Woth, Leiter der Verwaltungsgemeinschaft Berka/Werra, will erst Stellung nehmen, wenn eine Pipeline und die Einleitung in die Nordsee genehmigt werden. "Man kann das Pferd nicht von hinten aufzäumen, denn mit Sicherheit hat da die Europäische Union noch ein Wörtchen mitzureden. Schließlich ist die Nordsee EU-Anrainer, indes Werra und Weser Binnenflüsse sind", fordert er Fakten. Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) ist gestern von Umweltstaatsekretär Stefan Baldus informiert worden. "Das ist kein Grund, Sektkorken knallen zu lassen", kommentierte Hartung. Die Nordsee-Pipeline sei keine kurzfristige Lösung, sieht er durchaus weiterhin Gefahr für sein Trinkwasser. Der Konzern hat angekündigt, den Ersatzbrunnen Kohlbach II wieder aufzubauen. "Damit hätten wir wieder den Stand von 1999", so Hartung. Dennoch: Kali + Salz müsse weitere Risiken mit einer Garantie absichern. Schließlich habe man bei nachgewiesenen Messungen Versetzeinflüsse im Hauptbrunnen Kohlbach I festgestellt. "Wenn der ausfällt, stehen wir da", will der Gerstunger Bürgermeister eine Garantieleistung von 25 Millionen Euro vom Konzern, die ihn im Schadensfall absichert. Mit dieser Summe könne sich die Gemeinde dann mit Fremdwasser, womöglich aus Eisenach, versorgen. Neues gibt es auch vom Runden Tisch. Am 18. März soll um 14.30 Uhr die konstituierende Sitzung des Gremiums im Kasseler Regierungspräsidium sein. Neben Gerstungen wird Unterbreizbach als betroffene Kommune mit am Tisch sitzen. Noch nicht geklärt ist, ob der gerade gegründete Verein Anrainerkonferenz mit im Boot ist. Hartung forderte erneut, dem Verein einen Sitz zu gewähren, schließlich sind in dem Verband andere betroffene Kommunen aus den umliegenden Regionen organisiert. Auch ihre Interessen müssten am Runden Tisch durch einen entsandten Vertreter berücksichtigt werden.

14.02.2008 Katja SCHMIDBERGER, Monika GEBHARDT

Quelle: Thüringer Allgemeine 15.02.2008

Druckversion