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Einheitsgemeinde Gerstungen
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Im Brennpunkt

Mo 12.11.2007 10:07

Pressemitteilung zu den Gutachten zur Versenkung von Salzabwässern der K+S in der Gerstunger Mulde vom 09.11.07

Im laufenden Verfahren zur Versenkung von Salzabwässern wurde seitens des Thüringer Landesbergamtes ein Gutachten zur "Prüfung und Bewertung der langfristigen Sicherheit der Trinkwasserversorgung … während des Regelbetriebes des Pufferspeichers Gerstunger Mulde…." beauftragt. Erstellt wurde dieses Gutachten durch die Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umweltgeologie mbH (IHU).

Auf Grund der Brisanz der Problematik hat die Gemeinde Gerstungen selbst ein "Gutachten zur Versalzung der Gerstunger Trinkwasser-Brunnen infolge der Versenkung von Kaliabwässern" in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten wurde durch den Diplom-Geologen und Geochemiker Dr.habil. Ralf E. Krupp erstellt.

Die Titel der Gutachten selbst sagen schon viel über die unterschiedliche Aufgabenstellung aus.
Zielstellung der Bergbehörde war, mit diesem Gutachten den Regelbetrieb für die Salzabwasserversenkung abzusichern.
Ziel der Gemeinde ist es mit ihrem Gutachten bereits eingetretene Veränderungen und daraus resultierende Gefährdungen aus der Salzabwasserversenkung zu erkennen.

Gutachten Dr. Krupp
Nach dem Gutachten ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass durch die Versenkung bereits chemische Auswirkungen auf die Trinkwasserdargebote vorliegen.
Dies betrifft nicht nur die Ersatzbrunnen, sondern auch die bestehenden Trinkwasserbrunnen.

Der Plattendolomit war bereits vor der Bergerprobung überwiegend mit Kieserit-Waschwässern aus der Kaliindustrie durch die Versenkung aus anderen Gebieten aufgefüllt, so dass der - unstreitige - Verdrängungsprozess nicht nur hinsichtlich des Formationswassers, sondern insbesondere auch hinsichtlich Kieserit-Waschwässer erfolgte.

Da sachverständigenseits unter Vorlage der entsprechenden Dokumentationen in der Vergangenheit die Auswirkungen der Verpressung bezüglich der Trinkwasserversorgung in Gerstungen beschrieben werden, sollten hier möglichst umgehend entsprechende Maßnahmen seitens des Freistaates veranlasst werden, um das Trinkwasser zu schützen.

Eine weitere Versenkung in der Gerstunger Mulde ist in Anbetracht der eindeutigen Feststellungen, insbesondere der detailgenauen chemischen Untersuchungen, welche bisher völlig fehlten, absolut ausgeschlossen.
(Das vollständige Gutachten ist unter www.gerstungen.de einzusehen )

Stellungnahme zum IHU Gutachten
Vorbehaltlich einer umfassenden gutachterlichen Würdigung ist davon auszugehen, dass auch auf Grundlage des Gutachtens der IHU mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine weitere Versenktätigkeit nicht gestattet werden kann.

Unabhängig davon, dass das Entstehen des Gutachtens, die Einstellung von Parametern und das Abstellen auf den Kenntnisstand 3/2007 die Verwertbarkeit vorbehaltlich der inhaltlichen Prüfung ins-gesamt in Zweifel ziehen dürfte, kann das Gutachten keine Prognose der zukünftigen Auswirkungen der Versenkung geben.

Auf mehreren Seiten des Gutachtens wird auf die flächenhafte Versalzung des Grundwassers in den natürlichen Entlastungsgebieten der Plattendolomit- und Buntsandsteinwässer Bezug genommen. Soweit hier natürliche Gründe ausgeführt werden, ist diese Aussage haarsträubend, da die bisherigen Versenkungen insbesondere auch auf hessischer Seite im Gutachten nicht einmal ansatzweise be-rücksichtigt wurden.

Die folgenden Aussagen im Gutachten sind darüber hinaus in sich schon mehr als widersprüchlich:
"Im Fazit ist festzustellen, dass unmittelbare Einflüsse der Salzabwasserversenkung in den Pufferspeicher Gerstunger Mulde auf die genutzten Grundwasserfassungen im Quartär, Buntsandstein und Zechstein bzw. nachteilige, signifikante Trendentwicklungen nach der bisher gemessenen Monitordaten nicht registriert wurden. Die lokal gemessenen erhöhten Salzkonzentrationen an verschiedenen Quellen und Bohrungen (z.B. Werraaue zwischen Gerstungen und Neustädt bis nach Sallmannshausen, Quelle Salzrasen (Unterer Buntsandstein, Brunnen Kohlbach 2 und Bohrlochquelle Hausbreitenbach (Zechstein) sollten im Monitoring weiter überwacht und hinsichtlich der hydrogeologischen Gutachten vertieft betrachtet werden."

Der Gutachter stellt zusammenfassend fest, dass die Verdrängung von Subrosionswässern möglich sei, sie lässt sich auf den verfügbaren hydrologischen Grundlagen zeitnah und räumlich nicht darstel-len, weiterführende Betrachtungen sind hier notwendig.

Damit steht auch nach dem IHU Gutachten trotz einer Reihe eklatanter Mängel fest, dass weitere geologische Untersuchungen zwingend notwendig sind, um überhaupt für die Zukunft irgendetwas auszuschließen.

Im Gutachten empfiehlt man Isotopenanalysen zur Bestimmung der Anteile von Jung- und Altwasser an Messstellen mit auffälligen Veränderungen seit Beginn der Bergerprobung. Hier wird auch der Brunnen Kohlbach I genannt. Dieser Brunnen ist in den Förderverbund eingebunden und dient der Trinkwasserversorgung.

Gleichwohl kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch die Salzabwasserversenkung nach dem derzeitigen Kenntnisstand zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu befürchten ist.

Diese Aussage kann nur der Aufgabenstellung des Gutachtens geschuldet sein, nicht aber den Erkenntnissen aus dem Gutachten selbst.

Bürgermeister Werner Hartung
Werkleiter Ulf Frank
Rechtsanwalt Alexander Reitinger

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