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Im Brennpunkt

Fr 02.11.2007

"Das ist der lautlose Tod"

Ministerpräsident Althaus und Bürgermeister Hartung bei der Messung der LeitfähigketBerka/Werra. (tlz) Eigentlich sollte der Besuch des Thüringer Ministerpräsidenten während seiner gestrigen Wartburgkreisbereisung in Berka/Werra dem dortigen Wasserkraftwerk gelten. Dr. Sabine Kurth, eine Miteigentümerin, war deswegen eigens aus Göttingen angereist. Angesichts der Sorge der Werra-Kommunen um ihr von verpresster Kalilauge bedrohtes Trinkwasser rückte jedoch schnell die Versalzung des Flusses in den Mittelpunkt der Visite.

Und so wurde denn ein Werra-Wassertest zum eigentlichen Hingucker der Visite. Die Aktion mittels Wassereimer und Strick war freilich bereits vorab im Landratsamt besprochen worden. Es darf vermutet werden, dass Dieter Althaus wusste, was ihn erwartet. Seine Miene wurde dennoch zusehends ernster, als ihm Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung - wie immer mit einem Messgerät bewaffnet - die Werte erläuterte. Kurz erschrocken war der Regierungschef, als der Zeiger des Messgerätes weit über den gemessenen Leitwert am Wasserkraftwerk ausschlug. Drei Sekunden später Entwarnung: Das Wasser dieser Messung stammte direkt vom Fuß der Kali-Halde.

Befragt zur Lage der Dinge, nachdem Kali + Salz vom Landesbergamt erst diese Woche die Genehmigung erhielt, Salzlauge bis zum Mai 2008 in den Stollen Springen pumpen zu dürfen (TLZ berichtete), antwortete der Ministerpräsident: "Eine nachhaltige Lösung muss her." Ein Zurück zum Verpressen in der Gerstunger Mulde dürfe es nicht geben. Die Genehmigung zum Verpumpen in den Stollen Springen gelte für ein halbes Jahr, ergänzte ein Mitarbeiter aus dem Umweltministerium. Das sei "ein Notbehelf", es bestünden "keinerlei Sicherheitsbedenken". Bis 1. Februar 2008 müsse von Kali + Salz ein neues Konzept vorgelegt werden, das sowohl den Arbeitsplätzen als auch der Umwelt Rechnung trage, so Dieter Althaus. "Nur eine langfristige Lösung sichert ja auch die Arbeitsplätze", pflichtete ihm Berkas Bürgermeister Andreas Gleichmann bei.

Die Eisenacher Landtagsabgeordnete Sabine Doht (SPD), die mit ihrem CDU-Landtagskollegen Christian Köckert die Tour begleitete, regte an, über andere Laugentransportlösungen nachzudenken - beispielsweise "mittels Kesselwagen der Bahn". Ein Mitarbeiter des Umweltministeriums gab eine weitere Variante zum Besten. Man könne ja auch alte Erdölspeicher nutzen, zum Beispiel in Niedersachsen.

Wie auch immer, Kali + Salz müsse in neue Technologien investieren, befand Thüringens Ministerpräsident. An einer kleinen Abordnung von Landespolitikern und Mitgliedern der Partei Die Linke, die mit Transparenten gegen die Werra-Versalzung protestierten, ging er schnurstracks vorbei. Unter den Protestierern war auch Dieter Stellmacher. Er hatte von einer Dankmarshäuser Wiese eine Pflanze mitgebracht - frisch gepflückt - die zu den Salzgewächsen zählt und nur auf versalzenem Boden wächst. Wenn früher Detonationen aus den Kali-Stollen zu hören waren, wusste die Leute im Kali-Revier, "das ist der laute Tod". "Dies hier", so Dieter Stellmacher zur Pflanze, "ist der lautlose Tod".

Das Gewächs stammt nach Angaben von Tilo Kummer, dem Umweltexperten der Linken im Landtag, von einer Wiese, die Kali + Salz dem Eigentümer abgekauft hat, damit es wegen der Versalzung keine Probleme gibt. Tilo Kummer. "Auf diese Wiesen gehen die Kühe nur noch zum Salzlecken."

Zum Abschied erhielt Dieter Althaus ein Geschenk. Nein. Keine Tüte Salz. Baumkuchen aus Göttingen.

Immer mit dem Messgerät unterwegs: Werner Hartung (re.) mit Ministerpräsident Dieter Althaus. Fotos (3): Specht
Eine Salzpflanze hatte Dieter Stellmacher gepflückt.



01.11.2007 Von Rita Specht

Quelle: Thüringer Landeszeitung vom 02.11.2007

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