Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
Aktuelles
Aktuelles
  Veranstaltungen  
  Bekanntmachungen  
  Ausschreibungen  
  Auftragsvergabe  
  Wahlen  
  Wetter  
  Amtsblatt  

Im Brennpunkt

Mo 29.10.2007

Ansichten eines Salzstocks

Bodo BaakeJa, wo leben wir denn? Wir wissen es längst nicht mehr. Schon wieder geht die Uhr eine geschlagene Stunde nach. Die Klimakatastrophe wird demnach erst sechzig Minuten später eintreffen, aber die Zeiten werden trotzdem immer schneller. Um es mit Stephan Raab, einem der großen Entertainer im Maschendrahtzaun des Zeitgeistes, zu sagen: Crash, boom, bang - Beschleunigung regiert die Welt!

Und Recht hat er. Knut der Eisbär, noch gestern Wonneproppen der Nation, ist heute ein Tonnen schwerer Rüpel. Kirchen, einst Fels in der Brandung, machen sich auf die Socken und flüchten aus Heuersdorf vor der Braunkohle her. O Emmaus, weiß das eigentlich der katholische Standprediger Walter Mixa schon, und was sagt sein Presseversprecher dazu? Egal, sagt sich die SPD, wenn ein Gotteshaus zwölf Kilometer weit wandeln kann, werden wir doch den Wandelmarsch zurück zu unseren Wurzeln noch schaffen. Vorwärts, Genossen, wir müssen zurück! Gerade noch mal die Kurve gekriegt, rufen wir da.

Nein, auf nichts ist mehr Verlass. Einzig auf den Kasseler Kali + Salz Konzern. Der ist ein Fels in der Brandung des Wandels und im Thüringer Revier von den Wendetagen bis heute ein in das reinste Kali der Welt gehauene Standbild unwandelbarer Treue - zu sich selbst, zum Frühkapitalismus & seinen solennen Prinzipien: Hopfen und Malz, Profit und Salz - Gott erhalt"s! Seit Monaten schon spült der Düngemittelproduzent unverdrossen eine Lake aus zweideutigen Kompromissen zur Versenkung seiner Lauge in Mulde und Werra, aus doppeldeutigen Gutachten und der eindeutigen Drohung mit Streichung von Arbeitsplätzen im Werk Unterbreizbach durch das ausgelaugte Land. Denn wenn der Weltmarkt gedüngt werden will, und er will, dann muss man scheffeln.

Das Scheffel Salz soll früher übrigens mit Gold und Schlimmerem aufgewogen worden sein. Das hat sich geändert. Ein bisschen. Das Kali-Kredo aber nicht. Zur Erinnerung an den letzten großen Hungerstreik des vorigen Jahrhunderts könnte es zum Sinnspruch für Tonnen schwere Rüpel in das Weiße Gold von Merkers gemeißelt werden. Ansichten aus dem Salzstock: Die Wiedervereinigung und das Trinkwasser werden wir Euch versalzen!

Es ist wohl doch Zeit, dass sich was ändert.

28.10.2007 Von Bodo Baake

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 29.10.2007

Druckversion