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Im Brennpunkt

Do 25.10.2007

Laugen-Labyrinth

Der hessische Düngemittel-Konzern K+S darf seine Salz-Lauge vorerst nicht mehr in Gerstungens Untergrund entsorgen. Nun sucht das Unternehmen fieberhaft nach kurzfristigen Alternativen - und findet die in einem stillgelegten Kali-Bergwerk. Nicht ohne Risiko.

ERFURT. Kali+Salz steht die Lauge bis zum Hals: Die Genehmigung zur probeweisen Einleitung von Abwässern in die schwamm- artigen Gesteinsschichten bei Gerstungen ist am Wochenende abgelaufen (TA berichtete). Nun hat K+S ein weiteres Mal den Probetrieb für zwei Jahre beantragt. Die 5-Jahres-Erlaubnis zur Entsorgung in 500 Meter Tiefe hatte sich als aussichtslos entpuppt, weil die Gemeinde Gerstungen eine Versalzung ihres Trinkwassers in Teilen nachweisen konnte. Bis der neue Antrag beim Landesbergamt in Gera geprüft ist, werden voraussichtlich Monate vergehen.

Doch dem Weltkonzern läuft die Zeit davon. Für die Entsorgung der Lauge, die bei der Produktion im thüringischen Werk Unterbreizbach anfällt, gibt es kaum noch Kapazitäten. Die Rückhaltebecken an der Werra sind randvoll (Foto).

Der Druck auf die Konzernspitze wächst, die oftmals angedrohte Schließung des letzten Thüringer Kali-Standortes ist auch nicht in ihrem Interesse. Also erinnert man sich in der Kasseler Zentrale an Springen, ein Werk ebenfalls im Wartburgkreis, das nach der Wende stillgelegt wurde. Kaum dass K+S die Verhandlungen mit Gerstungen am Montag mit einer Ablehnung aller Kompromisse beendet hatte, beantragte die Firma eine zwischenzeitliche Entsorgung in Springen. Die Rohre nach Unterbreizbach gibt es bereits, um das Wasser natürlicher Solequellen in die Werra zu leiten. Sie wurden gestern von Vertretern des Landesbergamtes inspiziert.

Ein Konzernsprecher bestätigte nun auf Anfrage, dass man schon im Vorfeld eine Armatur eingebaut habe, mit der sich die Fließrichtung nach Springen ändern lässt. "Es kommt auf jeden Tag an, deshalb können wir uns keine Zeitverluste erlauben", sagt der Sprecher. Für einige Monate nun soll die Lauge in den alten Flözen landen. Alles andere sei aus Sicherheitsgründen nicht vertretbar.

Die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Dagmar Becker kritisiert das Vorhaben scharf: "Ein Laugeneinbruch könnte das ganze Grubensystem gefährden." Schließ- lich ist Springen unterirdisch mit sämtlichen Thüringer Kali-Vorkommen, den hessischen Werken an der Werra und einer dortigen Untertage-Deponie verbunden. Die Gefahr, sagt Becker, ist nicht zu unterschätzen. Es könne zur Katastrophe kommen. Das Vorgehen zeige aber einmal mehr, dass K+S nur kurzfristig plane und noch immer über keine Gesamtlösung für die Laugen-Entsorgung verfüge.

Springens Bürgermeister Rudolf Reitzig (SPD) wies gegenüber dieser Zeitung ebenfalls darauf hin, dass die Entsorgung in den Schächten nicht unbegrenzt möglich sei. Die vorübergehende Lagerung in Springen sei ihm jedoch lieber als die Schließung von Unterbreizbach, sagt Reitzig, der selbst im hessischen Werk Hattdorf als Bergmann arbeitet. Allerdings könne er sich vorstellen, dass sich auch in seinem Ort Widerstand regen wird. Dann würde es für K+S noch enger.

24.10.2007 Von Alexander DEL REGNO

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 25.10.2007

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