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Im Brennpunkt

Mi 24.10.2007

Gerstungen kündigt Widerspruch an

Sollten die Behörden den erneuten Probebetrieb für das Versenken von Lauge in der Gerstunger Mulde genehmigen, wird die Gemeinde in Widerspruch gehen und notfalls den Klageweg beschreiten. Das wurde am Montagabend deutlich.

GERSTUNGEN. Rund 200 Bürger waren zur Ratssitzung in den "Rautenkranz" gekommen. Sie wollten hören, was die Verhandlungen mit Kali & Salz gebracht haben (TA von gestern). Das Ergebnis fiel aber aus Sicht der Kommune ernüchternd aus. Der Kalikonzern will jetzt anstelle des Regelbetriebs erneut einen Probebetrieb für zwei Jahre beantragen. Just auf den Tag genau am Montag waren die 9,5 Millionen Kubikmeter Salzlauge erreicht, für deren Verpressung im Plattendolomit es seit 1999 immer wieder Genehmigungen gegeben hatte. Folglich darf Kali und Salz diesen Entsorgungsweg im Moment nicht mehr nutzen. Die Abwässer aus dem Unterbreizbacher Werk sollen zunächst in Sammelteichen zwischengelagert werden. Bis es eine Entscheidung der Thüringer Behörden gibt. "Wer kontrolliert, ob nicht doch die Hähne in unsere Richtung aufgedreht werden?" - wollte ein Bürger wissen. Der Rechtsanwalt der Gemeinde, Alexander Reitinger, verwies auf die Zuständigkeit des Bergamtes. Während Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) eigene Kontrollen und Messungen ankündigte. Der von der Kommune beauftragte Geologe Dr. Ralf Krupp machte deutlich, dass die Gerstunger Mulde aufgrund früherer Versenkungen "längst voll" ist. Außerdem entkräftete er das Argument, wonach es im Plattendolomit abgegrenzte Schichten gäbe, und die Salzlauge folglich nicht durchdringen könne. Die salzhaltigen Schichten seien längst ausgewaschen, das Plattendolomit runtergebrochen. Man registriere Durchlässigkeiten bis in den Bundsandstein hinein.Fakt ist, dass die Gemeinde ihren Notwasserbrunnen Kohlbach II wegen des hohen Chloridgehalts nicht mehr nutzen kann. Das heißt, es gibt im Havariefall keine Reserve mehr für die Trinkwasserversorgung. Doch der Kalikonzern hatte in dem Gespräch am Montag im Umweltministerium in Erfurt abgelehnt, eine Garantie in Höhe von 25 Millionen Euro zu übernehmen. Das hat die Gemeinde als Kosten errechnet, wenn sie sich mit Fremdwasser versorgen lassen würde und zwar auf die Dauer von 20 bis 30 Jahren. "Ich darf nicht nur an meine Legislatur, sondern muss an nachfolgende Generationen denken", betonte Hartung. Und kann nicht nachvollziehen, warum K+S die Sicherheitsleistung verweigert, wo die Firmenleitung doch der Meinung sei, dass die Trinkwasser-Versorgung von Gerstungen nicht gefährdet ist. Befürchtet werden aber nicht nur Gefahren für das Trinkwasser, sondern auch für Gräben, Bäche und Angelteiche sowie für die Werra insgesamt als geschütztes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet.Mehrere Redner betonten an dem Abend ihr Unverständnis darüber, warum der Kalikonzern nie ernsthaft an Alternativen zur Verpressung und auch Einleitung von Salzlauge in die Werra gearbeitet hat. Landtagsabgeordnete Sabine Doht (SPD) machte den Gerstungern Mut, ihre Rechte wahrzunehmen: "Wir dürfen uns nicht von einem Konzern erpressen lassen." Obwohl der Bau einer Pipeline zur Nordsee mittlerweile von vielen Politikern gefordert werde, habe K+S noch nichts in diese Richtung unternommen. Gemeinderat Harry Weghenkel (LAD) betonte, dass nicht Gerstungen die Schuld daran trägt, wenn in Unterbreizbach die Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, sondern das Management des Konzerns, das es verpasst habe, ein zukunftsfähiges Entsorgungskonzept zu entwickeln. Er forderte die Geschäftsführung sogar zum Rücktritt auf.Der Gemeinderat fasste an dem Abend keinen Beschluss. Es bestand aber Konsens, dass man in Widerspruch gehen wird, sollten die Behörden erneut das Versenken von Kalilauge genehmigen. Ein nächster Schritt wäre das Klageverfahren. Das sei aber immer noch billiger, als der Aufbau einer neuen Trinkwasserversorgung. Dafür müssten letztlich auch die Gebührenzahler aufkommen.

Birgit SCHELLBACH

23.10.2007

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 24.10.2007

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