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Im Brennpunkt

Sa 29.09.2007

Kalikonzern ist am Zug

GERSTUNGEN. Trinkwasser contra Arbeitsplätze - so spitzt sich die Situation zwischen der Gemeinde Gerstungen und K+S im Moment zu. Doch die Gerstunger machen deutlich: Der schwarze Peter ist beim Kalikonzern. Trinkwasser und/oder Arbeitsplätze. So lautete der Punkt, der am Donnerstagabend neu auf die Tagesordnung im Gemeinderat gesetzt worden ist. Bürgermeister Werner Hartung (pl) informierte, dass er den vom Gemeinderat beschlossenen Widerspruch gegen die weitere Verpressung von Salzlauge in der Gerstunger Mulde bis zum 5. Oktober ausgesetzt hat. Hintergrund: K+S hatte damit gedroht, in der Folge 350 bis 400 Arbeitsplätze im Kaliwerk Unterbreizbach abzubauen. Dessen Abwässer werden zur einen Hälfte in der Werra entsorgt und zur anderen im Plattendolomit der Gerstunger Mulde verpresst. Der Konflikt Trinkwasser-Arbeitsplätze rief Umweltstaatssekretär Stefan Baldus (CDU) auf den Plan, der kurzfristig am Dienstag dieser Woche nach Gerstungen reiste. Offenbar sind die Unterlagen, die die Gemeinde mit ihrem Anwalt zusammengestellt hat, so beweiskräftig, dass es den Behörden schwerfallen wird, die von K+S beantragte Versenkung von Lauge weiter zu genehmigen. Ohnehin dauert der so genannte Probebetrieb mittlerweile acht Jahre. "Jetzt ist der Topf voll", machte Hartung deutlich. 9,4 Millionen von als Grenze festgelegten 9,5 Millionen Kubikmetern Salzlauge sind erreicht. Und in Gerstungen fürchtet man um die Qualität des Trinkwassers für 6300 Bürger und perspektivisch für 7000 Kunden der Horschlitter Mulde. Das hörten am Donnerstagabend auch Vertreter aus Unterbreizbach, die nach Gerstungen gekommen waren. Ihnen liegen die Arbeitsplätze am Herzen. Gefährdet seien nicht nur unmittelbar die im Kaliwerk, sondern auch weitere in Unternehmen, die für den Konzern arbeiten, hieß es.Vertreter aller Fraktionen machten deutlich, dass man sich mit dem Arbeitsplatz-Argument nicht erpressen lassen will. K+S habe genug Zeit gehabt, sich Gedanken um alternative Entsorgungsmöglichkeiten - etwa den Bau einer Pipeline zur Nordsee - zu machen. "Den schwarzen Peter hat Kali und Salz, und wir haben die besseren Karten", ist Manfred Schramm (CDU) überzeugt. "Die Reaktionen auf der politischen Ebene zeigen, dass unsere Stellungnahme fachlich fundiert ist. Unser Trinkwasser ist durch die Versenkung akut gefährdet", betonte Dieter Trümper (SPD). Harry Weghenkel (LAD) unterstützte das Vorgehen des Bürgermeisters, der eine Frist bis zum 5. Oktober eingeräumt hat, um nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Am kommenden Montag findet ein Treffen im Umweltministerium statt, das von Baldus moderiert wird. Daran nehmen Vertreter des Kalikonzerns, des Bergamtes und aus Gerstungen der Bürgermeister, der Werkleiter sowie die Rechtsanwälte aller Seiten teil. Hartung hat noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben, dass K+S endlich umdenkt und Profit und Umwelt versucht, halbwegs in Einklang miteinander zu bringen. Man sei sich mit den Unterbreizbachern einig, Arbeitsplätze und Trinkwasser zu erhalten. Und: "Bestrebungen, die Bürger beider Kommunen gegeneinander auszuspielen, werden wir entschieden entgegentreten." Egal, was am Montag rauskommt, am Donnerstag wird sich der Gemeinderat zu einer Sondersitzung zu dem Thema treffen.

Birgit SCHELLBACH

28.09.2007

Quelle: Thüringer Allgemeinde vom 29.09.2007

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