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Im Brennpunkt

Sa 29.09.2007

Salz gen Westen, Müll in den Osten

Der mächtige ''Kalimandscharo'', wie die K+S-Halde an der hessich-thüringischen Grenze auch genannt wird, ist sogar vom Ruhlaer Alexanderturm aus gut zu sehen. Foto: MeißnerGerstungen. (ep) "Werdet euch darüber im Klaren, dass das ein Präzedenzfall wird", rief der Gerstunger Dieter Stellmacher, früheres Mitglied des Gemeinderates, den jetzigen Gemeinderatsmitgliedern zur Sitzung am Donnerstag zu.

Es gehe klar um Gerstungens Trinkwasser, es gehe vielleicht um hunderte Arbeitsplätze im Kali+Salz-Schacht Unterbreizbach, es gehe klar um die Versalzung der Werra, aber es gehe vor allem ums Prinzip. "Mit der jetzigen Entsorgung der Kali-Abwässer richtet K+S ein Umweltfiasko an", betonte Stellmacher. Schon der Probebetrieb 1999 hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen, weil die Versenkung der für das Trinkwasser "gefährlichen" - und nur nicht als Abfall definierten Lauge - gegen die europäische Wasserrahmenrichtlinie verstoße.

Der Gemeinderat und Bürgermeister Werner Hartung diskutierten im Beisein von Gemeindevertretern aus Unterbreizbach um den bis 5. Oktober ausgesetzten Widerspruchs gegen die Laugenverpressung des Konzern K+S in das Gerstunger Plattendolomit (TLZ/EP berichtete) und das weitere Vorgehen. Doch die Debatte machte schnell klar, dass es um mehr als die dauerhaft gute Qualität des Trinkwassers der Region geht.

"Gewinne dürfen nicht nur privatisiert und Kosten nicht nur sozialisiert werden", forderte Bürgermeister Hartung. Der Gemeinderat steht hinter ihm. Die Botschaft des Donnerstags an K+S war eindeutig: Der Konzern muss bei der Entsorgung seiner Abwässer definitiv umdenken - sofort.

Die Entsorgung von Restsalzen - egal ob durch Haldenwirtschaft, Versenkung oder Einleitung in die Werra - erzeuge nachhaltige Schäden der Umwelt noch in 1000 Jahren, so Hartung. Den hessischen Politikern schrieb er ins Stammbuch: "Genehmigungen trotz der Konzeptlosigkeit (von K+S) auszusprechen, ist verantwortungslos, schadet der Allgemeinheit und hilft maximal manchen Politikern, die nächste Wahl zu gewinnen." Den Unterbreizbacher Gästen machte Hartung klar, dass man die Sorge um Arbeitsplatzverluste teile, der "Schwarze Peter" aber nicht in Gerstungen, sondern bei K+S liege. Und Bestrebungen, die Bürger beider Kommunen gegen einander aus zu spielen, erteilt Gerstungen eine klare Absage.

Gemeinderatsmitglieder wie Dieter Trümper, Andre Heinemann oder Harry Weghenkel sind trotz aller Drohungen weiter gewillt, K+S die Suppe zu versalzen. Tenor im Gemeinderat: Bis hier hin, und nicht weiter!

Beim Krisengipfel am Montag im Erfurter Umweltministerium erwartet Gerstungen einen Vorschlag von K+S, einen, der das Problem dauerhaft beseitigt. "Eine Entsorgungleitung an die Nordsee ist in 14 Tagen nicht gebaut," aber eine grundsätzliche Haftung für den Havariefall müsse K+S sofort übernehmen, forderte Trümper.

"Das gute Kalisalz aus Thüringen unterirdisch gen Westen transportieren und sich des Kali-Mülls billig gen Osten entledigen" (Hartung), das funktioniere nicht mehr.

Weghenkel forderte Thüringens Umweltstaatssekretär Stefan Baldus (CDU) parallel dazu auf, die Thematik stärker als bisher auf Länderebene mit Hessen zu heben, um "Druck auf K+S auszuüben".

28.09.2007 Von Jensen Zlotowicz

Quelle: TLZ vom 29.09.2007

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