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Mo 23.08.2010 12:23

Informationen der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises zum Fund von verletzten oder getöteten Tieren

Regelmäßig werden verletzte oder getötete wildlebende Tiere gefunden, zunehmend auch ausgesetzte (z.B. Schmuckschildkröten, Leguane).
Die vorliegende Information in Verbindung mit der Kontaktliste Artenschutz wurde vom Naturschutzbeirat des Wartburgkreises angeregt und von der unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises erstellt. Sie soll den Findern helfen, einen geeigneten Ansprechpartner oder Vermittler zu finden.

Wildlebende, heimische Arten
Wildlebende Tiere sind Teil der Biosphäre und des natürlichen Kreislaufs. Grundsätzlich sollten sie dem natürlichen Kreislauf überlassen bleiben. Bei verletzten Tieren kann aber aus Tierschutzgründen Hilfe angezeigt sein, bei Totfunden sollten die Funddaten erfasst werden (Art, Datum, Finder, Ort, Angaben zur Todesursache), der richtige Verbleib der Tiere ist zu klären. Bezüglich Präparationen gibt es eine separate Informationsschrift der unteren Naturschutzbehörde, auf die verwiesen wird.

Jungtiere sind grundsätzlich dort zu belassen, wo sie gefunden wurden. Ggf. können noch nicht flugfähige Jungvögel auf einen Baum oder ein Dach in der Nähe gesetzt werden, um sie vor Katzen zu schützen.

Igel sollten draußen belassen werden. Sie können ggf. im Freien mit Wasser und-Katzentrockenfutter zugefüttert werden, und man kann ihnen Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Die Sterberate bei Jungtieren ist natürlicher Weise auch bei Igeln hoch, aber Teil des natürlichen Kreislaufs.

Haustiere / exotische Haustiere
Werden z.B. herrenlose Hunde, Katzen, andere Haustiere gefunden, gelten sie als Fundtiere. Hier ist die Gemeinde, wo das Tier gefunden wurde, und das entsprechende Tierheim zuständig. Für diese Tiere gilt das Fundrecht. Ebenso sind Exoten, wie Sittiche, Leguane, Agamen, Schmuckschildkröten einzustufen. Sie gelten aufgrund ihrer Haltungsbedingungen zusätzlich als hilflos, wenn sie in der freien Natur aufgefunden werden. Sie sind - bei Benachrichtigung der Gemeinde - dem zuständigen Tierheim zu übergeben. Sollte es sich um besonders geschützte Tiere handeln, kann die untere Naturschutzbehörde beim Auffinden eines registrierten Halters des Tieres behilflich sein.

Wild
Bei der Aufnahme von Tieren ist das Jagdrecht zu beachten: Viele Säuger, z.B. Stein- und Baummarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Fischotter, Luchs und Wildkatze unterliegen gern.

§ 2 Abs. 1 Bundesjagdgesetz (BJagdG) dem Jagdrecht und gelten daher ebenso wie z.B. viele Gänse-, Enten-, Säger-, Möwenarten und Haubentaucher, Waldschnepfe, Wachtel, Kolkrabe, Greifvögel und Falken als "Wild”. Ein Aneignungsrecht steht ausschließlich dem örtlichen Jagdausübungsberechtigten zu. Eulen gehören nicht zum Wild.

Zur Rettung oder Sicherstellung eines solchen Tieres oder bei Wildunfällen ist unverzüglich der Jagdausübungsberechtigte, der Bürgermeister, die Gemeindeverwaltung oder die nächste Polizei- oder Forstdienststelle zu benachrichtigen und das Tier auf Anforderung heraus zu gegeben. Die gemeinsame Rettungsleitstelle des Wartburgkreises und der Stadt Eisenach verfügt über die Daten der Jagdausübungsberechtigten.


Die besonders geschützten Arten (z.B. alle europäischen Vogelarten), die darüber hinaus auch zusätzlich streng geschützt sein können (z.B. alle heimischen Fledermausarten) ist die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zuständig. Viele Arten unterliegen zugleich dem Jagdrecht (z.B. Wildkatze, Luchs, Fischotter), was auch die Zuständigkeit der unteren Jagdbehörde begründet.

Für Tierschutzfragen bspw. bei nicht gesetzlich geschützten Tieren (Haustiere) ist die untere Veterinärbehörde (Amtstierarzt) zuständig.

Rechtsgrundlagen
§ 45 Abs. 4 u. 5 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Ausnahmen

"(4) Abweichend von den Besitz- und Vermarktungsverboten ist es vorbehaltlich jagd¬ und fischereirechtlicher Vorschriften zulässig, tot aufgefundene Tiere und Pflanzen der Natur zu entnehmen und an die von der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörde bestimmte Stelle abzugeben oder, soweit sie nicht zu den streng geschützten Arten gehören, für Zwecke der Forschung oder Lehre oder zur Präparation für diese Zwecke zu verwenden.

(5) Abweichend von den Verboten des § 44 Abs. 1 Nr. 1 sowie den Besitzverboten ist es vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich freizulassen, sobald sie sich selbständig erhalten können. Im Übrigen sind sie an die von der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörde bestimmte Stelle abzugeben. Handelt es sich um Tiere der streng geschützten -Arten, so hat der Besitzer die Aufnahme des Tieres der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörde zu melden. Diese kann die Herausgabe des aufgenommenen Tieres verlangen.”

Über den Schutzstatus der jeweiligen Arten informiert die untere Naturschutzbehörde. Er ist im Internet unter www.wisia.de auch für jedermann frei recherchierbar.

§ 24 Thüringer Jagdgesetz (ThJG): Ablieferungs- u. Anzeigepflichten; Wildunfälle

"(1) Wer krankes oder verendetes Schalenwild in der freien Natur vorfindet oder als Fahrzeugführer Schalenwild verletzt oder tötet, ist verpflichtet, dies dem Aneignungsberechtigten, dem Bürgermeister, der Gemeindeverwaltung oder der nächsten Polizei- oder Forstdienststelle unverzüglich anzuzeigen.
(2) Wer in den Besitz an lebendem oder verendetem Wild gelangt, ohne aneignungsberechtigt zu sein, ist verpflichtet, das Wild den in Absatz 1 genannten Personen oder Dienststellen zu übergeben.”

§ 40 Abs. 3 Thüringer Jagdgesetz (ThJG):
Inhalt des Jagdschutzes; Pflicht zur Ausübung des Jagdschutzes

"(3) Der Jagdausübungsberechtigte hat festgestellte Nist-, Brut- und Wohnstätten von Wildarten, die gemäß Naturschutzrecht als vom Aussterben bedroht eingestuft sind, der unteren Jagdbehörde zu melden. Verendet aufgefundenes Wild, das gemäß Naturschutzrecht als vom Aussterben bedroht eingestuft ist, hat der Jagdausübende unverzüglich der unteren Jagdbehörde anzuzeigen. Er ist berechtigt, es der Natur zu entnehmen und bei einer behördlich bestimmten Stelle abzugeben.”

Anmerkung:
Unter "Schalenwild” sind alle Paarhufer zu verstehen, z.B. Reh, Hirsch, Wildschwein.
Der rechtshistorische Terminus "vom Aussterben bedroht ", der nunmehr als nicht rechtsverbindliche Kategorie der "Roten Listen” fungiert, ist gleichzusetzen mit dem artenschutzrechtlichen Status "streng geschützt” im geltenden Naturschutzrecht.

§ 8 der Verordnung zur Ausführung des Thüringer Jagdgesetzes (ThJGAVO): Pflege und Aufzucht von kranken und hilflosem Wild

"(1) Pflege- und Aufzuchtanlagen sind Einrichtungen, die der Aufnahme, Pflege und Aufzucht verletzten, kranken oder hilflosen Wildes im Sinne des § 23 ThJG oder dem Ausbrüten verlassener oder aufgegebener Gelege dienen.

(2) Wild, welches gesund gepflegt oder aufgezogen wurde, ist in der Regel wieder in den Bereich der freien Wildbahn auszusetzen, in dem es aufgefunden wurde.

(3) Die Errichtung, Erweiterung und der Betrieb von Pflege- und Aufzuchtanlagen bedürfen der Genehmigung der unteren Jagdbehörde. (...)”