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Do 31.07.2008 10:32

Lauchröder beim 10. Brandenburger Markt in Luxemburg

Vereinsmitglieder mit Ali Kaes (5. von links) und Marie-Josée Jacobs sowie Gaby Frantzen-Heger (die beiden Damen im Vordergrund)Am Wochenende vom 18. bis 20. Juni 2008 nahmen insgesamt 29 Aktive des Brandenburgvereins Lauchröden, der "Freidigen" und der Feuerwehr Lauchröden gemeinsam mit 10 Händlern aus der Region am inzwischen 10. "Branebuerger Maart" teil, wie es auf Lëtzebuergesch, also in der gesprochenen Amtsprache der Luxemburger, heißt.

Schloss Vianden in der Hauptstadt des KantonsBranebuerg (französisch Brandenbourg und deutsch Brandenburg) ist ein Ortsteil der seit 2006 durch Zusammenlegung der Gemeinden Bastendorf und Fouhren entstandenen Gemeinde Tandel, die nun insgesamt aus 10 Ortsteilen besteht, insgesamt aber dennoch nur 1600 Einwohner hat. In Brandenburg selbst, malerisch im Tal der Blees gelegen, leben nur etwa 200 "Awunner".

Das Großherzogtum Luxemburg mit seiner Fläche von 2586 km² ist der zweitkleinste Staat der Europäischen Union und nur knapp doppelt so groß wie der Wartburgkreis, allerdings leben dort mit 476000 Einwohnern beinahe dreimal so viele Menschen. Luxemburg hat aktuell 116 Gemeinden, die zu 12 Kantonen gehören. Die Gemeinde Tandel ihrerseits gehört zum Kanton Vianden im Nordosten des Landes.

Erstaunlich ist der hohe Ausländeranteil der Gemeinde, der bei 25% liegt. Überwiegend haben Portugiesen hier ihre neue Heimat gefunden, was auch zum Markt deutlich wurde, als sie mit einer kräftigen Trommel- und Akkordeonprozession ihren Umzug gestalteten.

Die Fläche der Gemeinde Tandel entspricht mit 4172 ha etwa zwei Dritteln der Fläche der Gemeinde Gerstungen (die hohe Bevölkerungsdichte des Landes kommt durch die indu-striellen Ballungszentren des Südens und die Hauptstadt zustande).
Vor zehn Jahren fing die Geschichte mit einem Kinderflohmarkt verhältnismäßig klein ein, wie John Blum, Gemeinderatsmitglied, erzählte. Jahr für Jahr wuchs die Teilnehmerzahl und das Konzept wandelte sich: hin zu einer Plattform für ökologisch erzeugte und regionale Produkte, deren Erzeuger sich persönlich präsentieren. Den bisherigen Höhepunkt bildete das letzte Jahr, wo unter dem Slogan "Meet the Makers" (Trefft die Hersteller) die Europäische Union anlässlich der Tatsache, dass Luxemburg Kulturhauptstadt Europas war, das Projekt unterstützte und regionale Wirtschaftskreisläufe aus vielen europäischen Ländern mit dem Markt gefördert wurden.

Der diesjährige Jubiläumsmarkt nun gestaltete sich wieder etwas kleiner von der Dauer und der Teilnehmerzahl her, dennoch waren neben uns Thüringern u.a. auch Weinhändler aus der Region Piemont im nordwestlichen Italien vertreten - stand doch dieser Markt, dessen Motto jährlich wechselt, diesmals unter dem inhaltlichen Schwerpunkt "Regioune stelle sich vir".

Die Lauchröder und anderen Mitglieder des Brandenburgvereins und der Feuerwehr waren zum großen Teil schon am Freitagabend angereist und wurden ganz herzlich von den Gast-gebern begrüßt. Untergebracht waren wir im Gebäude der "Pompjeeë", der Feuerwehr, und im Herbergsteil der Kirche des Ortsteils Longsdorf.
Den Sonnabend nutzten wir zum Aufbau unserer Stände, inzwischen waren auch die rest-lichen Aktiven und Händler angereist. Die Bäckerei Rabe mit Hans-Werner Heichel aus Ober-ellen buk schon in aller Herrgottsfrühe in Vianden vor Ort ihr "Elisabethbrot". Die Firma Trott aus Berka/Werra präsentierte Fruchtsäfte und Bowle aus unserer Region, der Steinmetzbetrieb Schuchardt aus Mihla war genauso gefragt wie die Bauerntöpferei Koch aus Emleben.

Offiziell eröffnet wurde der Markt am Samstagabend um 18 Uhr - er trug also am ersten Tag den Charakter eines abendlichen Marktes, auf dem man wunderbar von einem Stand zum anderen flanieren konnte. Ein wenig Abbruch tat dem Fest das wechselhafte Wetter, Thüringer Bratwürste im Regen zu braten, ist nicht ganz so einfach. Aber wir hatten ja unsere Zelte dabei. Wobei die Zelte der "Freidigen", unserer Schaukampfgruppe, unserem Marktstandort noch ein besonderes mittelalterliches Gepräge gaben. Auch die Aktiven des Branden-burgvereins präsentierten sich zudem "gewandet", was von den Gastgebern ja so gewünscht war.

Zur Eröffnung des Marktes war die Politprominenz erschienen, neben dem Abgeordneten der "Kammer" (also des Luxemburger Parlaments, das aus 60 Mitgliedern besteht) und Bürgermeister der Gemeinde Tandel, Ali Kaes, vor allem auch die Ministerin Marie-Josée Jacobs, die gleich zwei Ressorts leitet - das Ministerium für Familie, soziale Solidarität und Jugend und das Ministerium für Frauenförderung - und aus Vianden die dortige Bürgermeisterin Gaby Frantzen-Heger. Weitere Abgeordnete der "Kammer" waren zugegen. Den historischen Hintergrund beleuchtete John Blum - und natürlich hielt auch Carlo Scheuren, Erster Schöffe der Gemeinde (entspricht in etwa unserem Beigeordneten) und Chef de corps der Feuerwehr von Bastendorf (zu der Brandenburg als Außenstelle gehört), seine humorvolle Ansprache: er ist, so darf man sicher ohne Übertragung sagen, das "Herz" der Partnerschaft mit dem Brandenburgverein und der Feuerwehr aus Lauchröden.

Carlo Scheuren bei seiner AnspracheDie Werrataler lauschten den lëtzebuergesch vorgetragenen Reden und konnten auch das Ein oder Andere verstehen, ist doch diese Sprache letztlich nicht mehr als eine mitteldeutsch-moselfränkische Mundart mit etwas mehr französischen Lehnwörtern als im Hochdeutschen.
Jedenfalls wurden wir in vielen der Ansprachen dankbar erwähnt und auch die Geschichte der Partnerschaft wurde rekapituliert.
Unsere 250 Bratwürste aus der Landfleischerei Deubachshof waren schon am ersten Abend all. Ehe das Programm für 23 Uhr ein einzigartiges Jubiläumsfeuerwerk von den Gemäuern der dortigen Ruine Brandenburg vorsah, das länger als eine Viertelstunde die herrlichsten Lichtspiele in den Nachthimmel zauberte, gab es von Seiten der Luxemburger noch eine ganz besonders herzliche und originelle Ehrung für unsere beiden Geburtstagkinder: Wolfgang Bartossek und Jürgen Pohler.
Im Anschluss saß man noch zusammen und sang das von Diana Semisch und Harry Weg-henkel auf jeden einzelnen Thüringer Teilnehmer des Marktes umgedichtete Lied von den "alten Ritterlsleut‘".

Der Sonntagsmarkt dauerte von 10 bis 18 Uhr. Wieder versorgten wir die interessierten Besucher mit unseren Thüringer Spezialitäten - Wurst und vielem mehr. Ein Höhepunkt war zweifellos der von vielen bestaunte Auftritt des Tandeler Bürgermeisters Ali Kaes als Schmiedelehrling bei unserem Vereinsschmied Herbert Hanke.

Hatten die "Freidigen" zunächst eine Delegation Viandener Ritter hoch zu Roß empfangen können, so präsentierten sie nun selbst am Sonntag ihre Kampfeskünste. Zugleich bestand die Möglichkeit am Nachmittag die sonst wegen Restaurationsarbeiten gesperrte Burgruine zu besichtigen, die gewaltig über dem Dorf thront. (Ab dem 2. August feiert Vianden eine Woche lang unter dem Motto "Mittelalter live" ein großes Fest, erste Kontakte sind ge-knüpft.) Erwähnt seien noch die musikalischen Attraktionen, wie die "Bastenduerfer Musik" und die "Fanfare Diekirch", die Platzkonzerte gaben.
Als wir am Sonntagabend zurück fuhren, spannte sich länger als eine halbe Stunde ein doppelter Regenbogen über den Abendhimmel. - Ein gutes Omen?
Herzlichen Dank noch einmal an unsere Gastgeber, die uns gut untergebracht und verpflegt haben (schon nach unserer späten Ankunft am Freitag wartete ein kräftiges Abendmahl auf uns und am nächsten Morgen wurden wir gleich mit einem gesunden Frühstück verwöhnt).

Der jährlich durchgeführte "Branebuerger Maart" wird uns sicherlich irgendwann wiedersehn, vielleicht aber auch noch andere Bürger und Gewerbetreibende aus unserer Heimat.

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