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Einheitsgemeinde Gerstungen
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Ortsteil LAUCHRÖDEN
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Mo 31.12.2007 11:45

Grußwort unseres Bürgermeisters zum Jahreswechsel

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger aus allen Ortsteilen
der Gemeinde Gerstungen,
nur der Kalender hat mich in diesem Jahr erinnert, den schon traditionellen Jahresrückblick zu schreiben. Viel zu hektisch sind nicht nur die letzten Wochen und Monate, sondern eigentlich das ganze Jahr 2007 vergangen, um sich auf die im Jahr schönsten vor uns liegenden Feiertage, das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel gebührend einzustellen. Noch liegen wichtige Entscheidungen von Gemeinderäten und Verantwortlichen der Verwaltung vor uns, um die Interessen unserer Bürger weitestgehend zu schützen.

Während ich vor einem Jahr noch von zwei geplanten Vorhaben, welche unser Leben stark beeinflussen, an dieser Stelle berichten musste, befindet sich davon die sehr umstrittene Müllverbrennungsanlage von Heringen bereits im Bau. Für viele Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde kam die Genehmigung einer Niederlage gleich, denn die Inbetriebnahme der MVA wird umfangreichen Einfluss auf unsere Lebensqualität haben. Während wir mit Arbeitsaufnahme die vermehrten Mülltransporte auch durch unseren Ort kurzfristig zu spüren bekommen, werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Auswirkungen durch die Luftschadstoffe erst schleichend mittelfristig einstellen. Aber ganz so weit sind wir zum Glück noch nicht. Es gibt noch Hoffnung, dass auf dem Klageweg die Betreibung untersagt wird bzw. umfangreiche Nachbesserungen der Filtertechnik vor Inbetriebnahme durch den Hessischen Verwaltungsgerichtshof festgelegt werden.

Auch wenn relativ wenig zu Aktivitäten diesbezüglich in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gelangt ist, kann ich Ihnen versichern, dass nach wie vor eine breite Masse engagierter Bürger aus Gerstungen und den benachbarten thüringer und auch hessischer Kommunen den Kampf noch nicht aufgegeben haben. Die 2006 gegründete Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal" hat dabei maßgebliche Akzente gesetzt. Wie bekannt, wird hier unparteiisch auf sachlicher Ebene weiter alles versucht, dem Namen "Für ein lebenswertes Werratal" weiter gerecht zu werden. Wenn man bedenkt, wie viel ehrenamtliche Arbeit im Interesse aller hier lebenden Bürger geleistet wurde, so verdient dies höchste Anerkennung.

Die Probleme der Kaliindustrie zur Entsorgung der Kalilauge haben sich auch innerhalb des letzten Jahres erheblich verschärft.

Zum geplanten Bau einer Pipeline von Neuhof/Ellers zur Werra und der damit verbundenen zusätzlichen Laugeneinleitung wehren sich mittlerweile ca. 30 Städte und Gemeinden entlang von Werra und Weser. Ein renommiertes Anwaltsbüro aus Köln hat in einer fast 150 Seiten umfassenden Klageschrift Rechtsverstöße erfasst, um weitere zusätzliche Belastungen der Flussanlieger zu verhindern. Ziel ist es, nicht Arbeitsplätze der Kaliindustrie zu gefährden, sondern vielmehr ein Umdenken beim Unternehmen in Punkto Entsorgungspraxis zu erreichen. Nach ca. 100 Jahren ist es nicht mehr zumutbar, die Laugenentsorgung durch Direkteinleitung in die Werra oder Versenken in den Untergrund zu Lasten der Allgemeinheit durchzuführen. Alternativen gibt es. Diese sichern Arbeitsplätze, kosten aber auch Geld, was jedoch bekanntermaßen im Unternehmen in nicht geringer Menge vorhanden ist.

Man muss nur wollen und nicht bei jeder Gelegenheit Arbeitsplätze in Frage stellen. Die zwei Werra-Weser Anrainerkonferenzen im März in Witzenhausen und vor kurzem in unserem Ortsteil Lauchröden haben auf sehr hohem fachlichen Niveau gezeigt, was möglich ist und vor allem, dass die Betroffenen mit den Nutznießern gemeinsam an verträglichen Lösungen arbeiten wollen.

Das, was die Gerstunger aber zusätzlich noch betroffener als alle anderen Werraanlieger macht, ist die Tatsache, dass durch den Probebetrieb des "Pufferspeichers Gerstungen" nicht nur eine starke Gefährdung, sondern bereits eine Beeinflussung unseres Trinkwassers durch die Laugenversenkung zu verzeichnen ist. Neben dem total durch Salzwassereinträge zerstörten Ersatzbrunnen Kohlbach II sind nach Untersuchungen unseres Geologen auch Versenkeinflüsse in einigen aktiven Trinkwasserbrunnen zwar noch im geringen Maß, aber nachweisbar.

Die entsprechenden Nachweise hat K+S selber im Antrag auf Regelbetrieb geliefert und in Folge haben vor allem die thüringer Medien die damit verbundenen Probleme einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dass unsere berechtigten Befürchtungen auch von der Landespolitik ernst genommen werden, zeigt die Teilnahme zahlreicher Landtagsabgeordneter aller im Landtag vertretenen Parteien an den Veranstaltungen zu dieser Problematik. Auch der Thüringer Landtag hat sich mehrmals mit unseren Trinkwasserproblemen durch die Laugenversenkung recht kritisch, aber relativ einvernehmlich auseinandergesetzt. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Genehmigungsbehörde, das Thüringer Landesbergamt den Antrag von K+S auf Regelbetrieb verbescheidet. Sollte eine Genehmigung zur Versenkung erteilt werden, ist der Klageweg durch alle Instanzen vorprogrammiert. Der Gemeinderat der Gemeinde Gerstungen hat im Interesse des lebensnotwendigen Trinkwassers und einer intakten Umwelt eindeutige einstimmige Beschlüsse gefasst, welche unsere Verwaltung und den Bürgermeister in den nicht immer sachlichen Verhandlungen den Rücken stärken werden. Diese Geschlossenheit sollte die Einwohner trotz der sehr schwierigen Sachlage optimistisch stimmen.

Neben unseren Abgeordneten möchte ich mich auch bei den immer mehr werdenden Gästen zu unseren Gemeinderatssitzungen bedanken. Sie haben durch ihre Teilnahme und auch Redebeiträge aktiv ihre Möglichkeiten zur allgemeinen Meinungsbildung genutzt und nicht wenige Verantwortungsträger außerhalb von Gerstungen damit wach gerüttelt.

Werte Einwohner von Gerstungen,

auch wenn die geplanten Vorhaben von K+S konträr zu unseren Interessen laufen und unsere tägliche Arbeit umfangreich beeinflussen, haben wir natürlich auch Maßnahmen abschließen oder zumindest anfangen können, die der Allgemeinheit dienen. Mehrere Millionen Euro konnten wiederum auch im Jahr 2007 für jeden sichtbar verbaut werden. Neben der Fertigstellung der Untersuhler Straße und der Innensanierung von unserem Rathaus sind von den größeren Vorhaben mit Sicherheit die Weiterführung von Kanal- und Wasserleitungsbau in Gerstungen, Neustädt, Lauchröden und Oberellen/Clausberg in Verantwortung des Eigenbetriebes Gemeindewerke zu nennen. Aber auch die Sanierung und Ausbau der alten Schule in Neustädt oder der Um- und Ausbau des Feuerwehrgerätehauses in Unterellen sind keine alltäglichen Investitionen in der heutigen Zeit und bringen neben einer Ortsbildverbesserung auch einen Nutzen für die Allgemeinheit.

Ebenso haben kleinere Vorhaben, wie die neuen Friedhofseinzäunungen in Untersuhl und Sallmannshausen optisch positive Akzente gesetzt. Viele Vorhaben wurden für die kommenden Jahre planerisch vorbereitet und stehen bei Fördermittelbereitstellung auf Abruf. An diese Stelle muss jedoch auch kritisch eingeschätzt werden, dass nicht alle Vorhaben des Haushaltsplanes 2007 bislang umgesetzt werden konnten. Hier möchte ich das unbedingt sanierungsbedürftige Kulturhaus Oberellen erwähnen. Leider konnte noch nicht das notwendige Nutzungskonzept einvernehmlich zwischen Verwaltung und Ortsteilbewohnern abgestimmt werden. Damit ist das Vorhaben nicht gestrichen, aber weitere Beratungen zur Akzeptanz einer möglichen Doppelnutzung sind zwingend notwendig, damit Aufwand und Nutzen vertretbar werden. Auch Vorhaben wie das Vordach am Friedhof in Untersuhl oder die Baumaßnahmen in der ehemaligen Feuerwehr von Sallmannshausen sind nicht in Vergessenheit geraten. Entsprechend der Wetterlage sollen kurzfristig Bauarbeiten an beiden Objekten durchgeführt werden.

Der vor uns stehende Haushaltsplan 2008 wird mit Sicherheit weitere Wünsche und Notwendigkeiten aufzeigen, die es gilt umzusetzen. Ich hoffe darauf, dass die Abgeordneten in Kürze auch wieder über finanzielle Mittel für kulturelle oder auch touristische Maßnahmen im positiven Sinne abstimmen können.

Nur mit dem Erhalt schöner und wichtiger gemeindlicher Einrichtungen, wie z. B. unserer Bibliothek, dem Werratalmuseum oder unser Schwimmbad werden wir perspektivisch kaum größere Außenwirkung erzielen können.

Neue Ideen und Konzepte, abgestimmt auf einen möglichen sanften Tourismus für Gerstungen sind gefragt. Ein attraktives Gerstungen beschert uns nicht nur zusätzliche Gäste, sondern auch weitere Arbeitsplätze und Einwohner. Die geplante Sanierung des Gerstunger Marktplatzes ab Ende 2008 soll hierzu ein erster Schritt sein, bei dem die Mitwirkung möglichst vieler Gerstunger notwendig ist, um private und kommunale Interessen in Einklang zu bringen. Unsere Verwaltung und der Bürgermeister werden für Ihre Vorschläge und auch für berechtigte Kritik ein offenes Ohr haben.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich hoffe, dass ich Ihnen trotz unserer massiven Probleme einen optimistischen Eindruck für das kommende Jahr vermitteln konnte. Für Ihr bisheriges Vertrauen und die sehr angenehme Zusammenarbeit bedanke ich mich auch im Namen der Verwaltung, Ortsbürgermeister und der Gemeinderäte ausdrücklich. Mein größter Wunsch für das Jahr 2008 ist eine einvernehmliche Lösung im Laugenkonflikt, die weder Trinkwasser gefährdet, noch Arbeitskräfte kostet. Nur so können wir die anspruchsvollen Ziele zum Wohle der Allgemeinheit in und um Gerstungen erreichen.

Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern der Einheitsgemeinde Gerstungen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein erfreuliches Jahr 2008.

Werner Hartung
Bürgermeister

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