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Do 08.06.2006 12:08

Vogelschutz in Lauchröden

Vogelschutz im Kirchturm Lauchröden

Wildlebende Tiere finden heut immer weniger Möglichkeiten, mit uns Menschen gemeinsam Gebäude und Gärten zu bewohnen. In unserer unmittelbaren Umgebung finden sie häufig weder Unterschlupf, Nahrung noch Duldung. Manchmal ist es die Sorge vor Schmutz und Dreck, vor Arbeit und Aufwand oder auch vor Vogelrufen, die die Verantwortlichen bewogen hat, Flächen und Wege zu versiegeln, pflegeleichtes Ziergrün zu pflanzen oder die Luken und Öffnungen in Scheunen und Kirchtürmen zu verschließen. Gerade kirchliche Gebäude bieten viel Platz für verdrängte und gefährdete Tierarten. Hier können Tiere leben, die die Ruhe selten begangener Dachstühle und die Abgeschiedenheit der hohen Türme bevorzugen.

Die Kirchgemeinde Lauchröden bietet in ihre Kirche gefährdeten Vogelarten Unterschlupf und Brutmöglichkeiten. Seit Jahren nisten hier u. a. in wechselnder Zahl Dohlen, Turmfalken und Schleiereulen. Diese drei Arten suchen als Brutplatz Hohlräume in hohen Gebäuden. In angepassten Nistkästen finden sie günstige Brutstätten, ohne dabei das Innere des Turmes zu verschmutzen.

DohleAm häufigsten erscheint die schwarzgraue Dohle, da sie von Natur aus gesellig lebt und mehrere Paare gern benachbart nisten möchten. Sie steht auf den Roten Listen der gefährdeten Tierarten, in Thüringen gilt sie als gefährdet und im benachbarten Hessen sogar als stark gefährdet. Nach deutschem und europäischem Naturschutzrecht steht dieser kleine Rabenvogel unter ganzjährigem Schutz. Die Dohle ernährt sich überwiegend von Sämereien, Pflanzenteilen, vielerlei Insekten und organischen Abfällen. Sie räubern keine Vogelbruten wie dies Elstern und Rabenkrähen tun.

Beim Ringen um die wenigen Brutplätze geht es mitunter lebhaft zu, bis die endgültige Aufteilung der begrenzten Nisthöhlen unter den Tieren geklärt ist. Gerade das gesellige Leben ist kennzeichnend für die in Dauerehe lebende Dohle. Nobelpreisträger und Verhaltensforscher Prof. Dr. Konrad Lorenz war von den Dohlen fasziniert und schrieb, dass nur wenige höhere Tiere ein so hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben haben wie die Dohlen.

Neben den Dohlen brütet meistens auch der Turmfalke in einem der Kästen. Der Falke setzt sich bei ernsthaften Brutabsichten stets gegenüber den Dohlen durch und hatte in den letzten Jahren meist 5 flügge Junge.

Er ist aber auch in der Lage, in freistehenden Krähen-, Elster- und Greifvogelhorsten zu nisten.

Fast unbemerkt hat auch die seltene Schleiereule erfolgreich im Turm gebrütet und Junge aufgezogen. Die Eule behauptet gegenüber Falken und Dohlen ihren Brutplatz, wird aber als nachtaktives Tier von den Menschen kaum wahrgenommen.

In diesem Jahr gibt es von Falken und Eulen nur wenige Brutpaare im Wartburgkreis, weil die Population des Hauptnahrungstieres, der Feldmaus, zusammengebrochen ist. Außerdem hat der letzte lang anhaltende Winter bei Eulen und Greifvögeln hohe Verluste verursacht.

In der Kirche von Lauchröden haben Vögel ein Haus gefunden. Sie sollen sich dort auch weiterhin heimisch fühlen. Wir wollen sie nicht missen. Die Kirchgemeinde leitet so einen willkommenen Beitrag zur Bewahrung des Lebens.

Untere Naturschutzbehörde des Wartburgkreises
Klaus Schmidt/Fachdienstleiter

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