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Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil LAUCHRÖDEN
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"Lauchröden" von Hans Heuse

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Lauchröden, seit 2004 ein Ortsteil der Großgemeinde Gerstungen, liegt etwa 220 m über N. N. auf 51° nördlicher Breite und 10° 10’ östlicher Länge am nordwestlichen Rand des Thüringer Waldes, wo dessen Höhenzüge im Werratal enden. Die Werra, ein Quellfluss der Weser, durchfließt zwischen Sallmannshausen im Westen und Hörschel im Osten eine breite Talsenke. Diese bildete sich heraus, als die im Erdaltertum (Zechstein) dort entstandenen Salzablagerungen ausgelaugt wurden und der Untergrund sich senkte. Der Strom füllte das Terrain mit Kiesen und Sanden allmählich auf, und es formten sich reizvolle Flussschlingen, Mäander genannt, die von den Bergen östlich und nördlich Lauchrödens gut einzusehen sind und als "Stiefel", "Kuchenbrett" und "Glocke" oder "Helm" bezeichnet werden. Im Norden der breiten Talaue erstreckt sich der Ringgau mit dem Schlossberg im Nordwesten, der die Burgruine Brandenfels trägt, und dem Kielforst im Nordosten, den das Durchbruchstal der Werra und Hörsel. Letztere, die an dieser Stelle in die Werra mündet, gab dem Dorf Hörschel den Namen. Hier liegt die westliche "Thüringer Pforte", und an dieser Stelle beginnt der "Rennsteig" unmittelbar am Ufer der Werra. Es handelt sich um einen alten Grenz- und Kurierweg, der nach 168 Kilometern in Blankenstein an der Saale endet. Nach dem Passieren einer Furt bzw. mit Hilfe einer Fähre führte er einst weiter in hessisches Gebiet. Wommen und Herleshausen liegen vor dem Ringgau an der Autobahn A 4 bereits auf hessischem Territorium. Herleshausen ist wie Hörschel eine Bahnstation der Linie Eisenach- Frankfurt am Main.
Den südlichen Abschluss der Talsenke bilden die Buntsandsteinerhebungen Hardt und Böller im Südwesten und die Zechsteinmassive Stechberg und Göringer Stein im Südosten und Osten Lauchrödens.
In Sallmannshausen am Fuße der Hardt beginnt der "Sallmannshäuser Rennsteig", der sich bei Ruhla mit dem von Hörschel kommenden vereint. Auch dieser Kurierweg führte früher über eine Furt und eine Fähre bei Sallmannshausen ins Hessische.
Lauchröden wird von der Elte (früher Ellna) durchflossen, die hier in die Werra mündet. Die thüringisch-hessische Grenze verläuft von Sallmannshausen bis westlich von Göringen in der Mitte des Werraflusses.
Zwischen Stechberg und Göringer Stein liegen auf einer Anhöhe die imposanten Ruinen der Brandenburg, einer Doppelburganlage, deren Besitzer über Jahrhunderte hinweg die Entwicklung Lauchrödens und der umliegenden Orte sowie der Region in hohem Maße bestimmten. Sie verfügten über ausgedehnte Areale in der näheren Umgebung und im Gothaer Raum und übten in Lauchröden und vielen anderen Orten die Gerichtsbarkeit und das Kirchen- und Schulpatronat aus.
1144 wird Lauchröden erstmalig urkundlich erwähnt. Erzbischof Heinrich I. von Mainz "verleiht der von ihm geweihten Kapelle des HI. Martin zu Lochereden… die Rechte einer Dominikalkapelle…". Er nimmt diese Handlung auf Bitten seines Verwandten Wigger von Wartberg vor. Wigger ist zu dieser Zeit Burggraf auf der Wartburg. Auch sein Sohn, ein Enkel und ein Urenkel üben dieses Amt aus, dann erlischt es. Das Geschlecht nennt sich fortan nach der Brandenburg, die es bis 1280 besessen hat. Nach dem Verkauf an den Landgrafen Albrecht verfügen die Brandenburger zeitweise noch über Teile der Burg als Lehen, die ihnen jedoch sukzessive verloren gehen. Nach mehrfachem Wechsel der Burgherren haben zu Beginn des 15. Jahrhunderts die von Reckrodt die westliche Veste, die von Herda den östlichen Teil als Lehen. Nach dem Tode des letzten von Reckrodt zu Brandenburg im Jahre 1702 und erfolgtem Heimfall der Westburg an die Landesherrschaft sind die Herren von Wangenheim Wintersteiner Linie und die von dem Brinck mit je einer Hälfte des Burgareals der Westburg und der Zugehörungen belehnt. Nach abermaligem Heimfall dieses Burgteils an die Landesherrschaft erwirbt es die Familie von Riedesel und vererbt es an die Familie von Rotenhan, die es im Jahre 1936 dem Land Thüringen übereignet. 1895 übergibt der Erbe des letzten Herda zu Brandenburg die Ostburg an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
Heute ist die Burg in Besitz der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten" und wird vom Werratalverein-Zweigverein Brandenburg" betreut.

Der Name Lauchröden ist mit Luch und Ried in Verbindung zu bringen und wahrscheinlich aus der sumpfigen Auenlandschaft im Mündungsgebiet der Elte in die Werra abgeleitet. Straßennamen wie "Mückengasse" und Flurbezeichnungen wie "Auf der Pfütz" und "Im Erlicht" sind weitere Hinweise auf Feuchtgebiete.
In Lauchröden gab es zeitweilig 6 Güter, die zu den Lehenstücken der jeweiligen Besitzer der Brandenburg gehörten. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte von einer Tätigkeit in der Landwirtschaft, was aus der Liste der zu Frondiensten verpflichteten Einwohner ebenso hervorgeht wie aus den Berufsbezeichnungen Dienstknecht, Ackerknecht, Hirt, Schweizer, Tagelöhner, usw. in den Kirchenbüchern. Die "Kemenate" und das "Schwarze Schloss"- beide wahrscheinlich bereits im 15. Jahrhundert erbaut - blieben erhalten. Das "Rote Schloss", ebenfalls in der Untereller Straße gelegen, wurde umgebaut. Das von Brincksche Kammergut im Bereich der heutigen Hermannstraße kaufte die Gemeinde Lauchröden nach dem Ersten Weltkrieg von den Herren von Rotenhan und verkaufte das Terrain als Bauland. Das ehemalige von "Wangenheimsche Gut" erstreckte sich zwischen Mühlgraben und Quergasse. Das "Rösische Gut" lag in der heutigen Werrastraße/Ecke Schreinersgasse. Auf den Gütern fanden auch Handwerker wie Schmiede, Müller, Brauer und Branntweinbrenner ihr Betätigungsfeld. Die "Dorfmühle" und die "Schlossmühle" werden schon vor Jahrhunderten erwähnt, ebenso die südlich des Ortes gelegene "Rimbachsmühle", früher "Erlichsmühle" genannt, die heute unter Denkmalschutz steht. Auch sie belegen die Dominanz des Agrarsektors in jener Zeit.
Daneben gab es bis in das 19.Jahrhundert hinein Leineweber und Töpfer. Im beginnenden Industriezeitalter erhöhte sich die Zahl der Maurer, die vorwiegend auswärts arbeiteten und häufig nur an den Wochenenden nach Hause kamen.
In Lauchröden produzierten bis zu Beginn bzw. bis zum 1. Viertel des 20. Jahrhunderts 2 Ziegeleien. Dies mag eine Ursache dafür sein, dass im Vergleich zu den umliegenden Dörfern die Anzahl der Häuser, die im Fachwerkstil errichtet wurden, geringer ist.
Die Kirche wurde 1610-1612 rekonstruiert und wie der gesamte Ort während des 30-jährigen Krieges stark beschädigt, die Bevölkerungszahl beträchtlich dezimiert. Allein im Jahre 1635 starben innerhalb weniger Monate 250 Einwohner, 215 fielen der Pest zum Opfer. Einen derartigen Aderlass hat der Ort glücklicherweise nicht wieder erlebt, und es bedurfte etlicher Jahrzehnte, bis die Besiedelungsdichte wieder den Vorkriegsstand erreichte.
1850 baute die Gemeinde auf dem Gelände des ehemaligen Wangenheimischen Schlosses (heute Gerstunger Straße 2), das sie der Landesherrschaft abgekauft hatte, eine neue Schule. Im Jahre 1874 wurde eine zweite Schule auf dem vormals Ensenbachschen Grundstück in der Gerstunger Straße eingeweiht, die durch den Umbau der dort befindlichen Gaststätte entstand. Im Jahre 1904 ersetzte ein Anbau an das Schulgebäude in der Gerstunger Straße 2 dieses Provisorium.
Ende des 19.Jahrhunderts wurde ein Teil der Gutsländereien verkauft oder verpachtet, und so entwickelte sich neben den schon existierenden bäuerlichen Betrieben in vielen Familien landwirtschaftliche Tätigkeit als Nebenerwerbszweig. Im 20. Jahrhundert veränderte die industrielle Entwicklung die Beschäftigungsstruktur des Ortes. Der überwiegende Teil der Bevölkerung arbeitete fortan in Eisenacher Betrieben, blieb aber dem Nebenerwerb Landwirtschaft verbunden.
Einen großen Einfluss auf dieses Geschehen hatte die mit der Industrialisierung einhergehende Verbesserung der Infrastruktur. Bereits in den 40er Jahren des 19.Jahrhunderts wurde die Straßenverbindung von Hörschel über Lauchröden nach Gerstungen grundlegend rekonstruiert. 1898 konnte eine massive Brücke über die Werra eingeweiht werden, die den bis dahin üblichen Fährverkehr zwischen Lauchröden und Herleshausen ersetzte und den Zugang zum dortigen Bahnhof an der Strecke Frankfurt am Main-Eisenach erleichterte. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann der Tourismus an Bedeutung, 6 Pensionen betreuten eine wachsende Zahl von "Sommerfrischlern".
Die Weltwirtschaftskrise brachte auch viele Einwohner Lauchrödens um ihren Erwerb. Bis in die Mitte der 30er Jahre wurde mit Arbeitsbeschaffungsprogrammen versucht, Abhilfe zu schaffen. Unter anderem waren es Erhaltungsarbeiten, die an einsturzgefährdeten Mauerstückchen auf der Brandenburg durchgeführt wurden und fast 60 Jahre lang die Veste sicher halfen, bis eine umfangreiche Rekonstruktion möglich wurde.
Im Zweiten Weltkrieg kamen 88 Einwohner ums Leben. Anfang April 1945 erreichten amerikanische Truppen unter General Patton unser Gebiet. Im Gegensatz zu Sallmannshausen, Hörschel und Creuzburg, die stark verwüstet wurden, hielten sich die Zerstörungen in Lauchröden in Grenzen, weil der Widerstand der hier stationierten Truppen geringer war. Da im Eltetal noch deutsche Truppen standen, sprengten amerikanische Pioniere am 1. April die Werrabrücke. Am folgenden Tage trieben Verbände der Waffen-SS alle Einwohner aus ihren Häusern in die umliegenden Wälder und drohten, das Dorf einzuäschern. Dazu kam es nicht mehr, und so konnten die Bewohner am nächsten Tag zurückkehren.
Anfang Juli 1945 lösten sowjetischen Truppen die amerikanischen Verbände ab, Lauchröden gehörte fortan zur sowjetischen Besatzungszone. Die thüringisch-hessische Grenze wurde zur Zonengrenze, später zur Staats- und Systemgrenze.
Während der letzten Kriegsjahre bot der Ort vielen Menschen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet, die vor dem Bombenkrieg geflohen waren, eine Bleibe. Sie kehrten nach dem Ende der Kampfhandlungen in ihre Heimat zurück. An ihre Stelle traten Vertriebene und Umsiedler aus den Ostgebieten; die Einwohnerzahl verdoppelte sich nahezu. Bis in die fünfziger Jahre hinein war die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Kleidung und technischen Geräten äußerst schwierig, die Lebensmittelkarten wurden erst 1958 abgeschafft. Die Vergabe von Wohnraum unterlag bis zur Wende staatlicher Reglementierung.
Nach dem Abschluss der Kampfhandlungen in Westthüringen im April 1945 hatten amerikanische Pioniere eine hölzerne Brücke über die Werra gebaut, die im Frühjahr 1947 dem Hochwasser zum Opfer fiel. Der schon begonnene Neubau einer massiven Brücke wurde gestoppt, als im Sommer 1948 die Währungsreform die ökonomische Spaltung Deutschlands einleitete. Mit der Errichtung von Grenzanlagen an der bisherigen Zonengrenze im Jahre 1952 durch die DDR wurde der Brückenbau endgültig ad acta gelegt.
Von 1952 bis 1989 lag Lauchröden im Sperrgebiet, unmittelbar im 500-Meter-Streifen, eine Situation, die für die Bewohner außerordentliche Beeinträchtigungen mit sich brachte, was Besuche von Angehörigen und Freunden und die eigene Bewegungsfreiheit betraf.
Die Mehrzahl der Bevölkerung arbeitete in Betrieben des Automobilbaus, der Elektrotechnik, der Textilindustrie und des Landmaschinenbaus sowie der Bauindustrie in Eisenach, Ruhla und Gerstungen. Einige Jahre hindurch produzierte im Ort ein Zweigbetrieb der Treffurter Tabakindustrie, er wurde abgelöst durch eine Filiale der Firma "Elektroschaltgeräte Eisenach", die bis 1990 in einem ehemaligen Gebäude der Grenztruppen in der Untereller Straße untergebracht war.
Auf dem Agrarsektor entstand 1952 eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), die sich auf freiwilliger Basis zusammengefunden hatte. ihr folgte 1960 eine zweite Genossenschaft, deren Gründung wie überall in der DDR durch staatlichen Druck erzwungen wurde. Beide Genossenschaften schlossen sich später zusammen und fusionierten mit den adäquaten Produktionseinheiten in Unterellen und Oberellen.
Nach 1990 trat eine Agrargenossenschaft die Nachfolge an. Eine gewerbliche Ansiedlung, die Arbeitsplätze garantiert hätte, blieb aus.
Die wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wende brachten viele Menschen um ihren Arbeitsplatz, vor allem Frauen. Diese Entwicklung zwang viele Bewohner zu einem Wohnortwechsel und widerspiegelte sich unter anderem auch in einem rapiden Absinken der Geburtenrate, was 1998 zur Schließung der hiesigen Grundschule führte. Trotz gewisser Konstanz der Geburtenzahl in den 70er und 80er Jahren hatte die über vierzig Jahre dauernde Lage im Grenzgebiet, verbunden mit einem zeitweisen Neubauverbot, zu Abwanderungen in Industriegebiete und einem bedrohlichen Rückgang der Einwohnerzahl geführt, der durch die wirtschaftliche Rückentwicklung nach der Wende eine Kulmination erfuhr. Es ist erfreulich, dass die Kindertagesstätte weiterexistiert und unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt eine Fortführung und Verbesserung der Arbeit, was die Materielle Situation betrifft, gesichert werden konnte.
Nach dem Wegfall traditioneller Arbeitsplätze in der Industrie und dem Schrumpfungsprozess im Agrarbereich ist es wiederum der Tourismus, der ausbaufähig ist, wenn man die landwirtschaftlich reizvolle Lage, das kulturhistorische Umfeld und die günstigen Verkehrsverbindungen des Ortes in Betracht zieht. Hinzu kommt ein reges Vereinsleben, das dieser Entwicklung nur förderlich sein kann, und im Dorfclub ein funktionierendes Koordinationszentrum besitzt, wo sich die kreativen Kräfte der letzten Jahrzehnte zusammengefunden haben.
Neben dem "Werratalverein-Zweigverein Brandenburg" mit seinen in zweijährigem Turnus gestalteten Mittelalterfesten bieten Kirmesverein, Anglerverein, Karnevalverein, Landfrauenverein, Sportvereine, Kleingartenverein, Tanzgruppe "Mäander", Theatergruppe "Die Werralöwen", Jugendclub, Freiwillige Feuerwehr und die "Brandenburgmusikanten" viele Betätigungsmöglichkeiten und kulturelle Höhepunkte und beziehen eine große Zahl der Bewohner in ihre Veranstaltungen ein. Auch die Attraktivität des Ortes als Wohnsitz wächst, was an der Einwohnerzahl sichtbar wird, die nach dem Rückgang sich inzwischen wieder auf etwa 1000 eingepegelt hat. Zwei neu erschlossene Wohngebiete im Westteil des Ortes "Auf dem Pfarrland" und "Auf dem Schulland" sowie eine Reihe von Neubauten am "Stechberg" sind optische Belege für diese Entwicklungstendenz.
Lauchröden pflegt eine intensive Partnerschaft mit der Großgemeinde Herleshausen in Hessen, der Gemeinde Cleder in der Bretagne (Frankreich) und mit der Marktgemeinde Breitenau in Österreich.